UN-Klimaratchef in der Kritik

Mit dem Klimawandel Geschäfte gemacht

Schwere Vorwürfe gegen den Chef des UN-Weltklimarats, Rajendra Pachauri: Er soll bei seiner Arbeit geschäftliche Interessen verfolgt haben.

Berlin/Kopenhagen. Nach dem Misserfolg der Weltklimakonferenz von Kopenhagen setzt Kanzlerin Angela Merkel auf einen neuen Anlauf 2010. "Im nächsten Jahr in Bonn und in Mexiko geht es endlich um verbindlich festgelegte Klimaschutzziele", erklärte Merkel. Der britische Premier Gordon Brown kritisierte, die Verhandlungen in Kopenhagen seien "im besten Falle mangelhaft, im schlechtesten chaotisch" gewesen.

Mitverantwortlich für die Organisation des Gipfeltreffens war Rajendra Pachauri, Präsident des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), dem Weltklimarat der Uno. Der "Daily Telegraph" berichtete jetzt über ein Interessensgebiet des promovierten Ökonomen, das seine Glaubwürdigkeit beschädigt: Der gebürtige Inder habe enormen wirtschaftlichen Erfolg als Unternehmer im klimaindustriellen Komplex. "Dr. Pachauri hat ein erstaunliches weltweites Portfolio aufgebaut mit Geschäftsinteressen und milliardenschweren Investitionen, deren Erfolg von Empfehlungen des IPCC abhängt", schreibt das Blatt. Damit ist etwa seine Tätigkeit als Beirat an der Chicagoer Börse für den Handel mit Rechten für den Kohlendioxidausstoß gemeint.

Hinzu kämen zahlreiche weitere Posten. Risikokapitalfirmen im Bereich erneuerbarer Energien haben sich ihn als Berater geangelt, weltweit operierende Versicherungen und Banken setzen auf ihn, wenn sie milliardenschwere Fonds in diesem Bereich auflegen. Insbesondere seine Tätigkeit beim indischen Energieforschungsinstitut TERI, einem Ableger des Stahl-, Energie- und Autokonzerns Tata, hat dem Chef des Weltklimarats einschlägige Jobs verschafft. So sei TERI in Bio-Energieanlagen engagiert, finanziert von der EU.

In einem anderen Projekt, kofinanziert vom Londoner Umweltministerium und der Münchner Rück-Versicherung, erarbeite man gerade eine zukunftsträchtige Studie: Sie soll aufzeigen, wie die indische Versicherungsbranche die Risiken eines Klimawandels am lukrativsten nutzen könne. "Warum britische Steuerzahler eine Studie finanzieren, um die Profite indischer Versicherungsunternehmen zu verbessern, wird nicht erklärt", schreibt das Blatt.

Die Gefahren eines Klimawandels kommen dabei der indischen Wirtschaft nicht nur über steuerfinanzierte Studien aus Europa zugute. Die Gesetze des Handels mit Emissionsrechten, in dem Pachauri ebenso engagiert ist, führten laut "Telegraph" auch dazu, dass die Produktion von jährlich drei Millionen Tonnen Stahl aus dem Werk von Corus im britischen Redcar nach Orissa in Indien wandert. Besitzer von Corus: der Tata-Konzern. 1700 Beschäftigte in Redcar verlieren ihren Job im Namen des Weltklimas, an dem sich wenig ändert durch die Verlagerung nach Indien.

Der "Telegraph" zitiert in dem Bericht aus einem Brief zweier Amerikaner. Das Schreiben der erklärten Gegner des Uno-Klimaschutz-Prozesses wurde in Kopenhagen an die Delegierten der 190 Teilnehmerstaaten verteilt. Über ein Dementi des IPCC oder Pachauris ist nichts bekannt.