Das Schicksal Roms - und was Amerika damit zu tun hat

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Thomas Frankenfeld

Der Vergleich ist nicht ganz originell, dennoch verlockend und auch nicht völlig fasch. Die Vereinigten Staaten von Amerika sind oft mit dem...

Hamburg. Der Vergleich ist nicht ganz originell, dennoch verlockend und auch nicht völlig fasch. Die Vereinigten Staaten von Amerika sind oft mit dem Römischen Reich verglichen worden - nicht zuletzt mit Blick auf den Niedergang des einst unbesiegbaren Roms, der nun auch den Amerikanern blühen könnte.

Die USA selbst haben viel dazu beigetragen, ihr Land und seine Macht als Imperium im römischen Sinne zu kennzeichnen.

Im alten Rom wie in Washington gibt es ein Kapitol und Senatoren. Der Baustil des US-Senatsgebäudes ist an den römischer Staatsbauten angelehnt. Und abgeleitet von der "Pax Romana", dem militärisch erzwungenen Frieden im Römischen Reich, nannte man den Frieden, den die USA im Kalten Krieg mit ihren Waffen garantierten, die "Pax Americana". Beide Imperien hatten Truppen an den Grenzen ihrer Reiche und jenseits davon stationiert.

Doch weit mehr als bei Bauten und Worten ist eine andere Parallele bedeutsam für das Verständnis beider Imperien. Sowohl Rom als die USA empfanden sich als Hüter und Bringer des Lichts der Zivilisation - mit dem man andere Völker ebenfalls erleuchten sollte.

Der tief in den Amerikanern verankerte Glaube an die Einzigartigkeit ihrer Nation und an die Mission, andere, weniger glückliche Nationen an ihrer zivilisatorischen Ordnung teilhaftig werden zu lassen, findet seine Entsprechung im alten Rom. Und beide liegen dabei nicht so falsch. Die römische Rechtsordnung und Kultur war damals der vieler anderen zeitgenössischen Völker überlegen. Amerika durfte sich gleich zweimal als moralisch überlegener Sieger feiern: 1945 über den barbarischen Hitler-Faschismus, gut vier Jahrzehnte später über den nicht weniger barbarischen Sowjetkommunismus. Doch wie Rom übertrieb es Amerika zuletzt mit seinem Selbstbewusstsein.

Und ähnlich wie Rom scheint auch Amerika sein Schrumpfen dadurch zu begünstigen, dass es seine militärischen Kräfte völlig überstreckt. Die Kriege im Irak und in Afghanistan haben die US-Streitkräfte an die Grenze ihrer personellen militärischen Leistungsfähigkeit diesseits einer Mobilisierung gebracht. In rund 40 Staaten der Welt stehen zudem US-Truppen. Allein der Krieg im Irak wird bald eine Billion Dollar gekostet haben. Der imperiale Anspruch der Bush-Regierung hat ungeheure Ressourcen auf das Militär umgeleitet. Sie fehlen in der Bildung und Infrastruktur.

Das Römische Reich zerbrach vor allem an innerer Schwäche und zunehmender Stärke äußerer Feinde. Und gerade deswegen ist Washington nicht Rom. Das römische Imperium war am Ende nicht mehr reformierbar, das amerikanische politische System ist viel flexibler und viel fähiger zur Selbstheilung. Wenn Amerika seinen Status als Hypermacht verlieren sollte, ist damit nicht automatisch ein völliger Niedergang eingeleitet, sondern der Übergang in einen immer noch luxuriösen Supermacht-Status. Die USA weisen nicht annähernd so gravierende innere Widersprüche auf wie das alte Rom - oder, um ein jüngeres Beispiel zu nehmen, das sowjetische Imperium, das an eben diesen Widersprüchen implodierte.

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