Ernährungsgipfel: Anstieg der Lebensmittelproduktion um 50 Prozent gefordert

Kampf gegen Hunger kommt nicht voran

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FAO-Direktor: Nur 20 Milliarden Euro pro Jahr sind notwendig, um Hunger und Unterernährung auszurotten.

Rom. Das Ziel des Millennium-Gipfels von 2000, die Zahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren, ist schon verfehlt. Diese ernüchternde Erkenntnis räumte Jacques Diouf, Generaldirektor der Welternährungsorganisation (FAO), zum Auftakt der Konferenz in Rom ein. Realistischer sei jetzt das Jahr 2150 - eine umfassende Erneuerung der globalen Agrarpolitik vorausgesetzt.

In einem dramatischen Appell rief Diouf die Konferenzteilnehmer zum Handeln auf und erklärte, "nur 30 Milliarden Dollar (20 Milliarden Euro) pro Jahr sind notwendig, um Hunger und Unterernährung auszurotten". Dem stünden 1200 Milliarden Dollar pro Jahr für Rüstungsausgaben gegenüber.

Der erste Tag des dreitägigen Gipfels war geprägt von skeptischen Prognosen zum weltweiten Hunger. "Die Welt muss mehr Nahrung produzieren", sagte Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon angesichts der bedrohlich steigenden Lebensmittelpreise. "Um die wachsende Nachfrage zu decken, muss die Nahrungsproduktion bis zum Jahr 2030 um 50 Prozent steigen." Er kritisierte außerdem die von mehreren Staaten eingeführten Preiskontrollen und Exportbeschränkungen bei Nahrungsmitteln. "Das verzerrt nur die Märkte und treibt die Preise noch höher."

Bundesentwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) bezeichnete die derzeitige Nahrungsmittelkrise als "Skandal der Menschheitsgeschichte". Es sei nicht zu verantworten, dass zu Beginn des dritten Jahrhunderts 862 Millionen Menschen an Unterernährung litten, während die Erde die Weltbevölkerung sehr wohl ernähren könne.

Für diplomatischen Zündstoff sorgte zum Auftakt des Gipfels vor allem die Teilnahme des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad und von Simbabwes Staatschef Robert Mugabe. Ahmadinedschad warf nicht näher genannten Mächten vor, von den gestiegenen Nahrungsmittelpreisen zu profitieren. Die Teilnahme am Welternährungsgipfel ist der erste Besuch Ahmadinedschads in einem EU-Land nach seiner Wahl 2005. Für Mugabe, der bereits am Sonntag in Rom eintraf, ist es die erste Auslandsreise seit der umstrittenen Präsidentenwahl am 29. März.

Wieczorek-Zeul kritisierte die Teilnahme von Mugabe: "Ich finde es sehr zynisch, dass jemand, der in seinem Land die Menschen in den Hunger und das Land in den Ruin getrieben hat, es wagt, bei einer solchen Konferenz aufzutauchen." Simbabwe befindet sich auch auf der FAO-Liste von 37 Ländern, die dringend auf ausländische Hilfe angewiesen sind. Vier Millionen Menschen sind laut dieser Liste in Simbabwe von Hunger und Mangelernährung betroffen. Laut FAO liegen 21 der 37 betroffenen Länder in Afrika, zehn in Asien und fünf in Mittel- und Südamerika. In Europa ist Moldawien auf ausländische Hilfe angewiesen.

( HA/hpks )

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