Nur noch mit Fingerabdruck in die USA

Terror-Abwehr: Einreise-Prozedur dauert aber nur 15 Sekunden. Eine Computerkamera fertigt gleichzeitig ein Foto des Besuchers an.

Washington. Ab heute werden alle deutschen Touristen, die in die USA einreisen, erkennenungsdienstlich behandelt. Sie müssen beim amerikanischen Zoll am Flughafen nicht nur den Pass vorzeigen, sondern auch ihre Fingerabdrücke abgeben und ein Foto von sich machen lassen. Tom Ridge, US-Minister für Heimatsicherheit, nannte die Maßnahme eine "wirksame Waffe im Krieg gegen den Terrorismus". Bis gestern hatte für die Bürger von 28 Nationen (darunter Deutschland), die für die befristete Einreise in die USA kein Visum benötigen, ein gültiger Reisepass genügt, um ins "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" zu kommen.

Ausländische Studenten und Arbeitnehmer mit Visa hatten sich bereits seit Anfang des Jahres der umstrittenen Prozedur unterziehen müssen. Die erkennungsdienstliche Feststellung selbst dauert nur zehn bis 15 Sekunden und verzögert die Einreise kaum. Es wird jeweils der Abdruck des Zeigefingers digital abgenommen. Eine Computerkamera fertigt gleichzeitig ein Porträtfoto des Einreisenden an.

Fingerabdrücke und Bild werden sofort in die Suchcomputer der Bundespolizei FBI, des Ministeriums für Heimatsicherheit und des US-Geheimdienstes CIA eingegeben. Leuchtet es grün, ist alles o.k.; bei rot wird dem Passinhaber entweder die Einreise verweigert, oder er wird verhaftet.

Das System, das für rund 400 Millionen Dollar nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 entwickelt wurde, ist inzwischen an allen 115 größeren, internationalen US-Flughäfen und 14 Meereshäfen installiert. Die 148 US-Land-Grenzen wurden mit einem anderen Überwachungssystem (IAFIS/IDENT) ausgerüstet, das soeben von Tom Ridge für "100 Prozent funkti-onsfähig" erklärt wurde. Es funktioniert ähnlich wie das US-VISIT-Programm, das an Flug- und Seehäfen verwendet wird und soll bis zum 15. November 2005 mit ihm verbunden werden.

Bürgerrechtsorganisationen sprechen den amerikanischen Überwachungssystemen an den Grenzen "eine große Wirksamkeit" ab und bezeichnen das Projekt als "Verschwendung von Steuergeldern". Auch viele andere Kritiker befürchten, dass mit den Daten Missbrauch betrieben werden könne, da praktisch alle US-Regierungsstellen sofortigen Zugriff darauf haben. Nach Meinung von Experten ist das Überwachungssystem überdies "löchrig wie ein Schweizer Käse", da es nur dann fündig wird, wenn jemand schon einmal vorher seine Fingerabdrücke abgegeben hat oder auf einer der "schwarzen Listen" der US-Behörden steht. Terroristen, die noch unbeschriebene Blätter sind oder mit einem falschen Pass einreisen wollen, können das weiterhin meist ungehindert tun.

Zwar haben die US-Zollbehörden noch keinen Terroristen gefangen. Dennoch wurden dank der neuen Technologie bei der Einreise in die USA bislang bereits insgesamt 138 Mordverdächtige, 67 mutmaßliche Kidnapper und 7800 Personen, die von Polizei oder CIA gesucht wurden, festgenommen.

Tom Ridge: "Schon alleine das rechtfertigt die Maßnahme, oder?"