Erdogans antiisraelischer Ausbruch

Das Ende der Glaubwürdigkeit

Thomas Frankenfeld

Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette ..."...

Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette ..." Für derartige Positionen wurde 1998 ein türkischer Politiker zu Gefängnis und Politikverbot verurteilt. Sein Name: Recep Tayyip Erdogan, heute türkischer Regierungschef.

Die Frage, ob Erdogan insgeheim eine schleichende Islamisierung der laizistischen Türkei betreibt, ob er wirklich politisch geläutert oder ein "islamistischer Wolf im demokratischen Schafspelz" ist, wurde oft gestellt und widerstreitend beantwortet. Unstrittig ist, dass Erdogan in den vergangenen Jahren viel für die Liberalisierung der Türkei getan hat - um das Land EU-kompatibel zu machen.

Sein Auftritt in Davos jedoch hinterlässt einen schalen Geschmack. Es ist legitim, mit den Israelis darüber zu diskutieren, ob sie ihre Selbstverteidigung in Gaza überzogen haben. Jedoch einem israelischen Staatspräsidenten, dem Angehörigen der Holocaust-Generation, ins Gesicht zu schleudern: "Mit dem Töten kennt ihr euch ja aus", ist nicht nur jenseits aller diplomatischen Gepflogenheiten.

Die Welt hat einen türkischen Ministerpräsidenten erlebt, dem für seinen unbeherrschten und unreifen Ausbruch gegen Israel höchstes Lob von der radikalislamischen Hamas zuteil wurde. Erdogan hat damit die Glaubwürdigkeit der Türkei als neutraler Nahost-Vermittler buchstäblich pulverisiert. Und der Umstand, dass er dafür daheim frenetisch gefeiert wurde, lässt ahnen, dass an der EU-Kompatibilität Ankaras noch eine Weile zu arbeiten sein wird.

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