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Rente mit Rekord: So stark steigen Bezüge im Jahr 2022

| Lesedauer: 4 Minuten
Jan Scharpenberg
Was ist die Rentenlücke

Was ist die Rentenlücke

Die meisten Menschen werden im Alter zu wenig Rente bekommen. Das Video erklärt, wie man die eigene Rentenlücke ausrechnet.

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Rente steigt dieses Jahr laut Arbeitsministerium um bis zu 6,12 Prozent. Prognose fällt höher aus, als bisher angenommen.

Berlin. 
  • Rentnerinnen und Rentner können sich 2022 über eine deutliche Erhöhung ihrer Rente freuen
  • Die Bezüge sollen laut einer neuen Prognose nun doch deutlich erhöht werden
  • Warum die Erhöhung der Rente 2022 nun doch stärker ausfällt, lesen Sie hier

Die Renten steigen zum 1. Juli voraussichtlich um 5,35 Prozent in den alten und um 6,12 Prozent in den neuen Bundesländern. Diese Prognose hat das Bundesministerium für Arbeit am Dienstag bekannt gegeben.

Konkret ergibt das eine Erhöhung des Rentenwertes von 34,19 Euro auf 36,02 Euro (West) und von 33,47 Euro auf 35,52 Euro (Ost). Mittels des Rentenwertes wird die endgültige Höhe der späteren Rente errechnet. Aber auch die Beiträge der aktuellen Rentner und Rentnerinnen werden über ihn erhöht. Nach der Rentenanpassung ab 1. Juli werden die bereits bestehenden Renten mit dem aktuellen Rentenwert neu ermittelt. Lesen Sie hier: So viel mehr Geld erhalten Sie durch die Erhöhung der Rente.

Rente: Erhöhung fällt deutlicher aus als gedacht

Die mittels Daten des Statistischen Bundesamtes und der Deutschen Rentenversicherung (DRV) prognostizierte Erhöhung fällt damit noch deutlicher aus als bisher angenommen. Im Dezember war die DRV noch von einer Erhöhung von 5,2 Prozent im Westen und 5,9 Prozent im Osten ausgegangen.

Zudem hatte die Ankündigung der Ampel-Koalition, den seit 2018 pausierten Nachholfaktor wieder einzusetzen, für Furore gesorgt. Weil die Löhne in der Corona-Pandemie zunächst gesunken waren, war erwartet worden, dass der Nachholfaktor erneut für eine deutliche Dämpfung der Rentenerhöhung sorgen würde. Im vergangenen Jahr hatte es deswegen eine Nullrunde für die Ruheständler gegeben.

Rentenerhöhung 2022: Schock durch Nachholfaktor bleibt aus

Doch dieses Jahr ist das laut Prognosen des Bundesarbeitsministeriums nicht der Fall. Bei den nun veröffentlichten Zahlen, sei der Nachholfaktor mit einem Minus von 1,17 Prozent bereits berücksichtigt, heißt es in dem Schreiben, dass unserer Redaktion vorliegt. "Das ist eine gute Nachricht für die Menschen, die durch ihre Arbeit jahrelang den Laden am Laufen gehalten haben", schreibt Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Die Rente dürfe sich nicht von der Entwicklung abkoppeln.

Lesen Sie dazu: Übersicht der Rentenwerte 2022 - Das steckt dahinter

Die Entwicklung der Durchschnittslöhne von 2020 auf 2021 ist die Grundlage für die diesjährige Rentenanpassung. Die Daten darüber sammelt und wertet das Statistische Bundesamt aus. Demnach seien die Gehälter in den alten Bundesländern durchschnittlich um 5,8 Prozent und in den neuen Bundesländern um rund 5,3 Prozent gestiegen.

Berücksichtigt wird demnach zudem die konkrete Entgeltentwicklung der Versicherten. "Diese hat in diesem Jahr eine deutlich positive Wirkung, weil auch Zeiten der Kurzarbeit verbeitragt werden", so das Arbeitsressort. Wegen der Pandemie waren die Zahlen der Beschäftigten in Kurzarbeit stark gestiegen; der Staat hatte die Zugangsregeln erleichtert.

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Rente in Deutschland - Mit diesen Werten rechnet die Rentenversicherung 2022

  Monat (West) Ost
Bezugsgröße 3.290 Euro (Monat) 3.150 Euro (Monat)
Durchschnittsentgelt 2022 (vorläufig) 3.242 Euro (Monat) 3.111 Euro (Monat)
Rentenwerkt aktuell (von 01.07.21 bis 01.07.22) 34,19 Euro 33,47 Euro
Rentenwert Prognose (von 01.07.2022 - 01.07.2023) 36,02 Euro 35,52 Euro
Beitragssatz 18,6 Prozent 18,6 Prozent
Beitragsbemessungsgrenze 7.050 Euro (Monat) 6.750 Euro (Monat)

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Positiv auf die Rente hat sich laut den aktuellen Zahlen auch der Nachhaltigkeitsfaktor ausgewirkt. Mit diesem Faktor wird das Verhältnis aus Rentenbeziehern und Beitragszahlern bei der Erhöhung berücksichtigt. Für 2022 hat der Nachhaltigkeitsfaktor voraussichtlich für ein Plus von 0,76 Prozent gesorgt.

Rentenerhöhung: Ost und West passen sich weiter an

Die Rentenanpassung in Ostdeutschland fällt aufgrund der Angleichungsprozesse höher aus als die eigentliche Lohnentwicklung. Denn laut Renten-Überleitungsgesetz sollen bis 2025 für Ost- und Westdeutschland die gleichen Berechnungsgrößen für die Rente gelten. Mit der jetzigen Erhöhung würde der Rentenwert Ost 98,6 Prozent des Rentenwerts West entsprechen.

Noch handelt es sich bei den vom Bundesarbeitsministerium veröffentlichten Zahlen um Prognosen. Die endgültige Entscheidung, wie hoch das Plus bei der Rente ausfällt, legt die Bundesregierung in einer Verordnung im April fest. (mit dpa)

Dieser Artikel erschien zuerst auf waz.de

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