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Pandemie: Die vier großen Probleme der Corona-Teststrategie

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Jan Dörner
Angesichts der steigenden Zahl der Infizierten drohen die Laborkapazitäten bald nicht mehr auszureichen.

Angesichts der steigenden Zahl der Infizierten drohen die Laborkapazitäten bald nicht mehr auszureichen.

Foto: Frank Hoermann / SVEN SIMON / picture alliance / Sven Simon

Die PCR-Tests werden knapp. Die Bildungsgewerkschaft GEW kritisiert die Politik vor allem für den Umgang mit den Schulen und Kitas.

Berlin. Mit den rapide steigenden Corona-Zahlen nimmt auch der Bedarf an Tests zu. Doch die Omikron-Welle offenbart vier große Probleme in der deutschen Teststrategie:

Knappheit bei PCR-Tests

Derzeit ist es üblich, nach einem positiven Schnelltest das Ergebnis mit einem zuverlässigeren PCR-Test abzusichern. So empfiehlt es auch das Bundesgesundheitsministerium. Das Problem: Die Verfügbarkeit der Labortests wird wohl schon bald nicht mehr den Bedarf in Deutschland decken. In der vergangenen Woche führten die fachärztlichen Labore in Deutschland etwa 1,95 Millionen PCR-Tests durch – mehr als je zuvor seit Beginn der Pandemie. Das entspricht einer Auslastung von 86 Prozent.

Da die Zahl der Infizierten stark steigt, dürften die Laborkapazitäten bald nicht mehr genügen. „Wir werden tatsächlich so hohe Fallzahlen bekommen, dass wir die PCR-Tests verteilen müssen, priorisieren müssen“, sagte Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD).

Die schwierige Verteilung

Mit der Bevorzugung mancher Gruppen beginnt das nächste Problem: Wer soll weiterhin Anspruch auf einen PCR-Test haben? Lauterbach will dazu einen Vorschlag machen, der beim nächsten Corona-Gipfel von Bund und Ländern am kommenden Montag beschlossen werden soll. Der Minister nennt Arbeitnehmer in Kliniken und in der Pflege als Gruppen, die eine besondere Stellung bekommen sollen.

Der FDP-Gesundheitsexperte Andrew Ullmann unterstützt das Vorgehen: „Wir brauchen eine Priorisierung der kritischen Infrastruktur, insbesondere der Gesundheitsversorgung“, sagte Ullmann unserer Redaktion. „Wir werden in den nächsten Wochen an Belastungsgrenzen für unser Gesundheitssystem kommen, weil sich viele Beschäftigte infizieren und daher nicht zur Verfügung stehen. Für die Erkennung und Freitestung des infizierten Personals benötigen wir ausreichend PCR-Kapazitäten.“

Keine PCR-Tests im Bildungsbereich

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) lehnt die Fokussierung auf den Gesundheitsbereich ab. „Wenn jetzt bei den PCR-Tests priorisiert wird, müssen Beschäftigte in Schulen und Kitas dazugehören“, sagte die GEW-Vorsitzende Maike Finnern unserer Redaktion. Schließlich hätten Lehrer und Erzieher am Arbeitsplatz viele Kontakte, darunter auch zu ungeimpften Kindern.

Finnern kritisiert die Knappheit der PCR-Tests: „Es wird immer gesagt, dass Schulen unbedingt offen bleiben sollen“, sagte die GEW-Chefin. „Da wäre die Vorsorge bei der Verfügbarkeit von Tests ein Baustein gewesen.“

Die fehlende Verlässlichkeit der Schnelltests

Mit der Knappheit der PCR-Tests nimmt die Bedeutung der Schnelltests zu. Die kürzlich veränderten Quarantäneregeln sehen etwa vor, dass sich sowohl Erkrankte als auch Kontaktpersonen nach sieben Tagen per Schnelltest aus der Isolation freitesten können. Allerdings schlagen viele Schnelltests bei geringer Viruslast nicht an. Auf dem Markt gibt es zudem Tests, die selbst bei hoher Viruslast keine Infektion anzeigen.

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) überprüft die verfügbaren Schnelltests laufend auf ihre Wirksamkeit und veröffentlicht die Ergebnisse im Internet. Beim Einkauf in der Drogerie lässt sich die seitenlange PEI-Liste aber schlecht konsultieren. Besser soll die Internetseite schnelltesttest.de funktionieren, über die sich mit der Handykamera die Barcodes der Tests im Laden scannen lassen. Dies soll dann unkompliziert die PEI-Bewertung anzeigen.

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