Medienbericht

Corona: Grünen-Politikerin befürchtet versteckte Triage

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Ermutigende Studie: Corona bald nur noch harmlose Erkältung?

Ermutigende Studie: Corona bald nur noch harmlose Erkältung?

Eine neue US-Studie gibt Grund zur Hoffnung: Corona könnte in wenigen Jahren nur noch den Status einer harmlosen Kinderkrankheit haben.

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Corinna Rüffer vermutet laut einem Bericht, dass es in Heimen zu einer Vor-Triage von Corona-Patienten kommt.

Berlin. 
  • Wenn in Krankenhäusern mehr Menschen behandelt werden müssen, als es die Kapazität zulässt, kommt es zu sogenannten Triage
  • Das bedeutet, dass Ärzte entscheiden müssen, wer behandelt wird - und wer nicht
  • Diese Entscheidung kann auch schon vor der Einlieferung ins Krankenhaus folgen, etwa wenn Patienten aus Pflegeheimen nicht verlegt werden
  • In der Corona-Pandemie könnte das bedeutet, dass Infizierte zum Beispiel nicht beatmet werden können - und unter Umständen sterben

Patientenschützer sind alarmiert: Das Durchschnittsalter auf den Intensivstationen ist mittlerweile auf teils unter 60 Jahre gesunken. Doch der Anteil der über 70-Jährigen, die an oder mit Covid-19 sterben, beträgt über 90 Prozent. „Dieser Widerspruch ist besorgniserregend“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, unserer Redaktion.

Die Bundestagsabgeordnete Corinna Rüffer hat dafür womöglich eine dramatische Erklärung. „Für mich besteht daher der Verdacht, dass Menschen aus Pflegeheimen keine Chance auf eine intensiv­medizinische Behandlung bekommen, weil sie von vornherein aussortiert werden“, sagte die Grünen-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

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Triage in Pflegeheimen? Politikerin fordert Aufklärung

„Wenn das zutrifft, würde das im Prinzip bedeuten, dass eine Vor-Triage in Einrichtungen stattfindet“, so Rüffer. Das müsse untersucht und öffentlich debattiert werden.

Der Politikerin sei sogar von Einzelfällen berichtet worden, in denen die Angehörigen von der Einrichtung gedrängt wurden, auf eine Einweisung ins Krankenhaus zu verzichten.

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Auch Patientenschützer fordern Aufklärung, warum so viele Hochbetagte und Pflegeheimbewohner die Kliniken gar nicht erst erreichen.

Patientenschützer: Tägliche Statistik notwendig

Zu den Sterbeorten gebe es nur Beobachtungen, aber keine verlässlichen Daten. „Der Bundesgesundheitsminister muss endlich das Robert Koch-In­stitut beauftragen, dazu eine tägliche Statistik zu veröffentlichen“, so Brysch.

Auch dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach zufolge sterben viele Pflegebedürftige, die an Covid-19 erkranken, nach Aussagen von Intensivmedizinern und Pflegeleitern heute in ihren Einrichtungen oder auf Normalstationen. Lesen Sie auch: Corona: So funktioniert das Triage-System auf Intensivstationen

Der Mediziner geht jedoch nicht davon aus, „dass hier verdeckte Rationierung eine Rolle spielt, etwa um die Intensivstationen zu entlasten.“ Viele Pflegebedürftige würden per Patientenverfügung längere lebenserhaltende Maßnahmen ablehnen.

Rüffer sagte dem RND jedoch, dass dies nicht die hohe Zahl derjenigen erkläre, die nicht auf Intensivstationen versterben.

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Katastrophenschützer rechnen nicht mit Triage-Situation in Kliniken

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe rechnet für die Kliniken absehbar mit keiner Situation, in der Ärzte beim Zugang zu Beatmungsgeräten zwischen Patienten entscheiden müssen.

Präsident Armin Schuster warnte vor Panikmache. „Es gibt entgegen mancher Medienberichte keine Triagen in einem deutschen Krankenhaus“, sagte Schuster in der Freitagsausgabe der „Rheinischen Post“ und dem Bonner „General-Anzeiger“.

In einer Pandemie können Ressourcen in Krankenhäusern wie Beatmungsgeräte knapp werden. Wenn diese Geräte an Patienten verteilt werden müssen, nennt man dieses Verteilungssystem nach festgelegten Kriterien Triage. Das Wort stammt vom französischen Verb „trier“, was „sortieren“ oder „aussuchen“ bedeutet. (dpa/fmg)

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