Kommentar

2019 stellt sich Deutschland selbst ein Armutszeugnis aus

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Diana Zinkler
„Wir klagen nicht. Wir kämpfen“, steht auf dem T-Shirt eines Teilnehmers einer Neonazi-Demonstration. Rassismus scheint in Deutschland vermehrt um sich zu greifen.

„Wir klagen nicht. Wir kämpfen“, steht auf dem T-Shirt eines Teilnehmers einer Neonazi-Demonstration. Rassismus scheint in Deutschland vermehrt um sich zu greifen.

Foto: --- / dpa

An der Art und Weise, wie ein Land mit seinen Minderheiten umgeht, zeigt sich der Zustand einer Gesellschaft und der Demokratie.

Berlin. Was ist mit Deutschland im Jahr 2019 los, wenn der israelische Botschafter Jeremy Issacharoff die hier lebenden Juden dazu aufrufen muss zu bleiben? In diesem Jahr war der Versuch, in der Synagoge von Halle ein Massaker anzurichten, der erschreckende Höhepunkt einer Reihe von antisemitischen Übergriffen in Deutschland.

Der israelische Botschafter sagte, dass er nicht wollen würde, dass „Juden vor etwas weglaufen“. Er glaube nicht, dass dies die richtige Reaktion auf den Anschlag wäre, nicht für Juden, aber auch nicht für die deutsche Gesellschaft.

Das sind Gedanken, die aufgrund der deutschen Geschichte kaum auszuhalten sind. Denn Deutschland hat eine besondere Verantwortung gegenüber den hier lebenden Juden, den Juden in allen anderen Ländern der Welt und dem Staat Israel. Es ist eine Verpflichtung, die aus dem Holocaust entstanden ist und die nie wieder enden wird.

Antisemitismus ist in Deutschland alltäglich

Umso schlechter fällt das gesellschaftliche Zeugnis für Deutschland aus. Denn 2019 wird auch in Erinnerung bleiben als das Jahr, in dem Juden darüber nachgedacht haben, das Land zu verlassen. Aus Angst.

Jeden Tag ereignen sich in Deutschland fünf Attacken auf Juden. Tendenz: ein gleichbleibendendes erschreckend hohes Niveau. Vielleicht auch, weil die drohenden Folgen oft gering sind. Der Antisemismus-Beauftragte fordert ein schärferes Strafrecht.

An der Art und Weise, wie ein Land mit seinen Minderheiten umgeht, zeigt sich der Zustand einer Gesellschaft und der Demokratie. Diskriminierung fängt im Kleinen an, beginnt bei der Schadenfreude und mit dem ätzenden Kommentar in den sozialen Medien. Darauf kann jeder achtgeben.

Es gibt das schöne deutsche Sprichwort: Der Ton macht die Musik. Mit dem Jahr 2020 feiern wir den 250. Geburtstag des Komponisten Ludwig van Beethoven, es wird ein fulminantes Beethoven-Jahr – unsere Gesellschaft sollte genauso klingen.