Satiriker

Jan Böhmermann jetzt SPD-Mitglied – und eckt sofort an

Jan Böhmermann ist in der SPD angekommen und will weiter um den Parteivorsitz kämpfen.

Jan Böhmermann ist in der SPD angekommen und will weiter um den Parteivorsitz kämpfen.

Foto: Sven Hoppe / dpa

Jan Böhmermann ist seit Dienstag offizielles SPD-Mitglied. Aber die Aufnahme des berühmten TV-Satirikers stößt auch auf Ablehnung.

Berlin. Ja, er hat es tatsächlich geschafft. Jan Böhmermann ist jetzt offizielles Mitglied der Sozialdemokraten. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil gratulierte via Twitter und freute sich auf „Hausbesuche“ und „Plakate kleben“. Die Aufnahme des Satirikers in die SPD löste jedoch unterschiedliche Reaktionen aus.

Böhmermann wurde am Dienstag in die SPD aufgenommen. Der Kreisverband Anhalt-Bitterfeld hat am späten Abend einen entsprechenden Beschluss des Kreisvorstands bekanntgemacht. Der TV-Satiriker ist nun Mitglied des Ortsvereins Köthen.

SPD-Generalsekretär Klingbeil freut sich auf Böhmermann

Einer der ersten Gratulanten war SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, der Böhmermann als „lieber Genosse“ beim Kurznachrichtendienst Twitter „herzlich Willkommen“ hieß. Klingbeil wies allerdings auch auf die harte Arbeit hin, die nun auf den Satiriker warten würde: „Jetzt geht´s los! Infostände, Hausbesuche, Bürgergespräche, Plakate kleben. Wir freuen uns sehr, dass du jetzt an unserer Seite für eine starke Sozialdemokratie kämpfst!“

Die Begeisterung des Generalsekretärs teilen aber nicht alle SPD-Mitglieder, manche kündigen sogar ein Ende ihrer Mitgliedschaft an. Frank Steibli, laut Twitterprofil Mitglied der SPD Linden, antwortet Klingbeil: „Das ist nicht dein Ernst. Ich bin raus.“

Spott für Klingbeils Tweet an Böhmermann

Andere sehen aber auch eine Chance durch Böhmermanns Mitgliedschaft, insbesondere durch seine hohe Followerzahl (2,2 Millionen) bei Twitter. Klarna.me schreibt: „Ihr checkt nicht, dass Politik nicht mehr (nur) an den Infoständen und Haustüren stattfindet, oder? Denkanstoß: Werft mal einen Blick auf die Followerzahl von Böhmi und dann denkt nochmal drüber nach ob er nicht vielleicht anders viel mehr Leute erreichen.“

Andere reagieren mit Spott. „SPD 2019: Jedes neue Mitglied wird persönlich vom Generalsekretär begrüßt. Sind nicht viele und er hat auch sonst nicht viel zu tun“, schrieb Christian Meyer bei Twitter.

Böhmermann hielt SPD einen Monat auf Trab

Rund einen Monat beschäftigte die SPD Böhmermanns Ersuchen, Mitglied zu werden. Zuvor hatte er angekündigt, Parteivorsitzender werden zu wollen – hatte seine Pläne dafür aber nicht rechtzeitig umsetzen können.

Erst vor wenigen Tagen untermauerte Böhmermann jedoch seine Ansage, trotzdem Parteichef werden zu wollen. Wer neuer SPD-Chef wird, ist noch unklar – ein vom 6. bis 8. Dezember in Berlin geplanter Parteitag soll über die neue Spitze entscheiden.

Böhmermann hat Parteivorsitz weiter im Visier

Seinen Anspruch auf den Parteivorsitz untermauerte Böhmermann kurz nach Bekanntwerden seiner Aufnahme bei Twitter. Gemäß SPD-Organisationsstatut werde er „gemeinsam mit vier durchgeknallten SPD Ortsvereinen seine Bewerbung für den „Vorsitz offiziell und fristgerecht einreichen“.

Handelt es sich wirklich um einen ernst gemeinten Angriff auf das Amt oder um einen PR-Stunt Böhmermanns, um Aufmerksamkeit zu erreichen?

„Wir sind eine Partei und keine Satireveranstaltung“

Der zuständige Kreisverbandsvorsitzende Ronald Mormann verwies bereits auf Bedenken einiger Sozialdemokraten gegen Böhmermanns Mitgliedschaft wegen dessen früherer Äußerungen über die SPD. „Aber Satire darf vieles, und das hält Deutschlands älteste Partei sehr wohl aus“, sagte er und warnte: „Aber wir sind eine Partei und keine Satireveranstaltung.“

Sollte es mit dem Parteivorsitz nicht klappen, gäbe es einen Trost für Böhmermann: Auch in Sachsen-Anhalt wird für den Landesverband eine Doppelspitze per Mitgliedervotum bestimmt – Eintrittsstichtag ist der 1. Oktober.

Böhmermann engagierte sich zuvor schon für politische Themen und hatte zuletzt gemeinsam mit Klaas Heuer-Umlauf mit einem Spendenaufruf eine Million Euro für Seenotretter zusammenbekommen. (guhe/les/dpa)