Ermittlungen

Razzia gegen Gefährder – keine konkreten Anschlagspläne

Bei den Räumen in Düren und Köln handelt es sich nach Angaben der Polizei um Wohnungen islamistischer Gefährder.

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Die Polizei ist mit Razzien gegen Islamisten vorgegangen. Ein Gefährder predigte in der Moschee, die Anis Amris Anlaufstelle war.

Köln. Die Bedrohung war offenbar real – es soll ein Anschlag in Deutschland geplant worden sein. Doch bevor Islamisten ihre Taten vollbringen konnten, griff die Polizei ein: Razzia gegen Gefährder in Nordrhein-Westfalen. Zwei Männer wurden in Gewahrsam genommen.

Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ handelt es sich bei einem der Männer um einen ehemaligen Prediger des inzwischen verbotenen Berliner Moscheevereins Fussilet 33. In der Radikalenhochburg ging auch der Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz, Anis Amri, ein und aus. Der ehemalige Fussilet-Prediger unterhalte eine Firma, die in Köln auf einer Baustelle eingesetzt ist.

Einer der sechs Festgenommen, ein deutsch-libanesischer Konvertit aus Berlin, sei schon seit Jahren als Gefährder bekannt und erst kürzlich nach Düren gezogen. Der 30-Jährige, der eng mit der Berliner Dschihadisten-Szene verbunden sei, habe in einem Gespräch, von dem die Ermittler Kenntnis erlangt hätten, deutlich gemacht, dass er zu einem Anschlag bereit sei.

Herbert Reul: „Keine Hinweise auf eine konkreten Anschlagsart“

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) erklärte, es habe „keine Hinweise auf einen konkreten Anschlagsort, keine Hinweise auf eine konkrete Anschlagszeit und keine Hinweise auf eine konkrete Anschlagsart“ gegeben.

Die Polizei habe allerdings Hinweise gehabt, dass die in Gewahrsam genommenen Personen „möglicherweise einen Terroranschlag planen könnten“. Reul zufolge sind unter den Männern zwei, die als islamistische Gefährder eingestuft werden: ein 30 Jahre alter und ein 21-jähriger Konvertit. Gegen die beiden und zwei weitere Männer wurde am Abend Langzeitgewahrsam beantragt. Nach dem neuen Polizeigesetz des Landes kann dieser bis zu zwei Wochen dauern.

Terrorgefahr: Razzien bei islamistischen Gefährdern in NRW – das ist bekannt

  • Ermittlerschlag gegen Terroristen: Am Donnerstag fanden Razzien statt
  • Ziel waren Wohnungen in NRW – in Köln und Düren
  • In Düren wurden zwei Männer zum Verhör mitgenommen
  • Die Planungen für einen Anschlag waren offenbar fortgeschritten
  • Einer der Festgenommenen soll in der Berliner Fussilet-Moschee gepredigt haben

Terror-Razzia: Zwei islamistische Gefährder im Fokus der Polizei

Ebenfalls in Gewahrsam genommen wurde ein 21-Jähriger aus dem Raum Aachen, der zum Islam konvertiert war. Der radikal-islamische Salafist steht auf der Gefährderliste der NRW-Sicherheitsbehörden. Diese schätzen den Mann als höchst labil und leicht beeinflussbar ein, wie die Zeitung weiter berichtet.

Durchsucht worden waren Wohnungen in Köln und Düren. Die beiden Extremisten hatten in Düren zusammen gewohnt. Aber auch an ihrem Arbeitsplatz, der Baustelle in der Kölner Innenstadt, wurde nach Beweisen für die schweren Vorwürfe gesucht.

Laut Ermittlern sind insgesamt vier Männer von der Polizei zum Verhör mitgenommen worden. Sie befinden sich laut Behörde „aus gefahrenabwehrenden Gründen im Gewahrsam der Polizei“. Außerdem wurden kistenweise Dokumente sichergestellt. Der Polizeipräsident Uwe Jacob der Stadt Köln hat für Donnerstagmittag eine Pressekonferenz angesetzt, bei der er Details benennen will.

„Wir haben Erkenntnisse, nach denen wir davon ausgehen müssen, dass die Männer möglicherweise einen Anschlag in Deutschland geplant haben“, erklärte ein Pressesprecher am Ort der Durchsuchungen in Düren. Es lägen Erkenntnisse vor, dass es eine Terrorgefahr gegeben habe.

Die Bedrohung durch Terror ist in Deutschland unverändert hoch – das hatte der Verfassungsschutz erst im Juni bei der Vorstellung des Jahresberichts verkündet. Der Schlag in NRW bestätigt dies offensichtlich.

Hinweise von Sicherheitsbehörden hätten zuvor „konkrete Anhaltspunkte für eine Anschlagsplanung“ gegeben.

Der Einsatz einer Spezialeinheit begann um 4 Uhr morgens. Details wurden zunächst nicht bekannt. Einschätzungen zur Gefahrenlage und erste Ergebnisse der Durchsuchungen will die Polizei am Vormittag mitteilen.

Verfassungsschutz warnt vor Gefahr durch Islamisten

Noch Ende Juni hatte der Verfassungsschutz in seinem Jahresbericht auf die unverändert hohe Gefahr durch islamistisch motivierten Terrorismus hingewiesen. Die Behörde erklärte, dass die Zahl der Islamisten 2018 im Vergleich zum Vorjahr von 25.800 auf 26.560 Personen gestiegen ist – und die der Salafisten von 10.800 auf 11.300. Das seien „ausreichend gesicherte Zahlenangaben“.

Amtschef Thomas Haldenwang und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) reklamierten den Erfolg für sich, dass es 2018 keinen islamistischen Terrorakt gab. Er blieb aus, weil die Sicherheitsbehörden eine Reihe von Anschlagsplänen „in unterschiedlichen Vorbereitungsstadien“ aufdeckten.

Polizei vereitelte 2018 in Köln womöglich Terroranschlag mit Biowaffen

Einer dieser Pläne davon wurde unweit von dort geschmiedet, wo heute erneut Durchsuchungen stattgefunden haben. Im Juni 2018 hatten Einsatzkräfte in Köln größere Mengen Rizin sicherstellen können – der erste Fall einer dschihadistisch motivierten Herstellung von Biowaffen in Deutschland.

Eindringlich mahnte der Verfassungsschutz, der islamistische Terrorismus sei weiterhin weltweit präsent. Selbst komplexe Anschläge wie bei den Attentaten von Paris im November 2015 könnten „nicht ausgeschlossen werden“.

(ba/dpa)