Unabhängigkeitstag

Zu viel Militär – Trumps Pläne für 4. Juli sorgen für Ärger

Donald Trump plant militaristische Feierlichkeiten zum US-Unabhängigkeitstag am 4. Juli in Washington.

Donald Trump plant militaristische Feierlichkeiten zum US-Unabhängigkeitstag am 4. Juli in Washington.

Foto: Tomohiro Ohsumi / Getty Images

US-Präsident Trump will den Unabhängigkeitstag am 4. Juli groß zelebrieren. Vor den Feierlichkeiten gibt es jede Menge Spannungen.

Washington. Einmal im Jahr lässt Amerika für ein paar Stunden die parteipolitischen Zwistigkeiten beiseite. Man versammelt sich bis ins kleinste Provinznest bei Hot Dogs, eiskaltem Bier, blau-rot-weiß glasierten Muffins und Höhen-Feuerwerk “made in China” patriotisch hinter dem Sternenbanner. Um den 4. Juli 1776 zu feiern. Den Tag, als das Land seine Unabhängigkeit erfuhr.

Vor der 243. Auflage der zentralen Feierlichkeiten am Donnerstag liegen atmosphärische Spannungen über der Hauptstadt, deren Ursprung im Weißen Haus zu suchen ist.

Donald Trump, der republikanische Präsident, hat, wie in der Demokraten-Hochburg Washington bis ins Büro von Bürgermeisterin Muriel Bowser eine überwältigende Mehrheit findet, den “Independence Day” gekapert. Dabei ist die ungewöhnliche Rede, die Trump am Abend auf den Treppenstufen vor dem majestätischen Denkmal von Abraham Lincoln halten will, noch das kleinste Ungemach.

Trumps 4.Juli-Feier: „Mall“ wird VIP-Zone

Auch dass diesmal zwei große Feuerwerke abgebrannt werden sollen, gesponsert von zwei Unternehmern, könne man abgesehen von den bereits vor Tagen zum Leidwesen vieler Sportvereine dafür eingeleiteten Absperrungen verschmerzen, schreiben Leser der “Washington Post”.

Dagegen stößt die Tatsache, dass Trump für Freunde und Gönner erstmals auf der ehrwürdigen “Mall”, der guten Open-Air-Stube Washingtons, eine VIP-Zone einzäunen lässt, vielen sauer auf. Am 4. Juli waren in Washington bislang immer alle gleich.

„Air Force One“ soll fliegen

Bis Dienstag war nicht mal klar, nach welchen Kriterien die Tickets vergeben werden sollen. Die größte Kritik zielt jedoch auf die reichlich unübliche Militarisierung des Feiertages. Commander-in-Chief Trump, den ein ärztlich attestierter Knochensporn zu Zeiten des Vietnam-Krieges vom Dienst am Vaterland abhielt, will nach eigenen Worten “die besten Kampfjets der Welt” (F-35) über die Köpfe der zu Hunderttausenden erwarteten Besucher hinwegdonnern lassen. Ebenso eine der beiden Boeing 747, die zur „Air Force One”-Flotte gehören.

Gegen den Rat des Verteidigungsministeriums und der Stadtverwaltung Washingtons, die sich um die Belastbarkeit von Brücken und Asphaltdecken sorgt, sollen zudem über 60 Tonnen schwere Abrams-Panzer an strategischen Punkten aufgestellt werden.

Die von Trump im Fernsehen versprochenen “brandneuen Sherman-Panzer” fallen dagegen wohl flach. Sie werden seit Ende der 50er Jahre nicht mehr gebaut. Dass Trump dem heiligen “Fourth of July”, der in der Vergangenheit ein parteipolitisches Neutrum war, mit Macht einen militärischen Stempel aufdrückt, geht auf den 14. Juli 2017 zurück.

Trump von Frankreichs Nationalfeiertag angetan

Damals hatte Präsident Emmanuel Macron sein Gegenüber Nachdem Trump im Jahr 2017 am französischen Nationalfeiertag in Paris teilgenommen und dort eine am französischen Nationalfeiertag zur Militärparade auf den Pariser Champs-Elysées eingeladen. Trump zeigte sich vom Pomp der “Grande Nation” derart angetan, dass er eine artverwandte Veranstaltung auf Washingtons Pennsylvania Avenue in Auftrag gab.

Der damalige Verteidigungsminister James Mattis, ein ehemaliger Vier-Sterne-General, und mit ihm das Gros der Pentagon-Führung reagierten äußerst distanziert. Die mit weitem Abstand größte Streitmacht der Erde, so war und ist die verbreitete Einschätzung, könne auf militärisches Tschingderassabum sehr gut verzichten.

Den Rest besorgte ein Kostenvoranschlag im Volumen von über 90 Millionen Dollar. Trump knickte zerknirscht ein. Die Idee wurde begraben. Bis Trump sie im vergangenen Februar wieder hervorkramte. Via Twitter bat er um Termin-Vormerkung.

Und jetzt ist es soweit. “Wir werden einen großartigen 4. Juli in Washington, DC, haben. Er wird wie kein anderer, er wird besonders”, sagt Trump. Ein Veteranen-Verband will sich der Show widersetzen. Und 3000 T-Shirts verteilen, die Trumps verstorbenem Erzfeind, Senator John McCain, huldigen. Tauchen Sie in der VIP-Zone in Sichtweite Trumps auf, könnte es schnell unpatriotisch werden.