Kommentar

Viel Feinstaub, aber: Lasst uns trotzdem den Kamin!

Die Subventionierung von Holzöfen steht wegen der hohen Feinstaubbelastung durch die Geräte in der Kritik.

Die Subventionierung von Holzöfen steht wegen der hohen Feinstaubbelastung durch die Geräte in der Kritik.

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa-tmn

Holzöfen sind üble Feinstaubsünder wie Dieselautos. Doch irgendwann muss mit der Verboteritis und Dämonisierung auch mal Schluss sein.

Berlin.  Glauben wir den alten Griechen, dann formte Prometheus aus einem Klumpen Lehm nicht nur die ersten Menschen. Er schenkte ihnen auch das Feuer, was Göttervater Zeus schwer erzürnte. Prometheus ließ er zur Strafe an einen Felsen ketten. Jeden Tag kam ein Adler und fraß von seiner Leber, die sich zu seiner Qual immer wieder erneuerte. Die Menschen peinigte Zeus mit der berüchtigten Büchse der unwiderstehlichen Pandora, prall gefüllt mit Seuchen und Krankheiten. Zeus und Pandora hätten sich die Mühe sparen können. Im Rauch des Feuers war doch jede Menge Feinstaub enthalten, um die aufmüpfige Menschheit zu bestrafen.

Damit keine Missverständnisse entstehen: Diese Mini-Partikel, die über den Holzrauch in unsere Atemluft geraten, sind gesundheitsschädlich. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die fiesen Teilchen für eine Menge schwerer Krankheiten mitverantwortlich sein können.

FDP kritisiert staatliche Förderung von Holzheizungen

Feinstaub kommt nicht nur aus Industrie und Landwirtschaft, aus den Auspuffrohren der Autos, sondern auch aus Millionen Kamin- und Kachelöfen. Ausgerechnet die freiheitsliebende FDP macht die knisternden Kuschelblöcke jetzt madig, schimpft über eine staatliche Förderung von Holzheizungen, die viel mehr Schadstoffe als ihre mit Öl und Gas gefütterten Pendants ausstießen.

Indirekt kann man die Liberalen so verstehen: Lasst die seit dem Dieselskandal am Pranger stehende Autoindustrie endlich in Ruhe, schaut euch die Pelletöfen und Kamine an, die sind genauso schlimm.

Keine Bevormundung bis in die letzte Ritze des Privaten

Entlarvt werden soll die Bigotterie des Staates, der den Bürger bei der Energiewende seit Jahren einbläut, auf fossile Brennstoffe wie Öl und Gas zu verzichten und alternativ auch mit Biomasse wie Holz zu heizen. Dafür gibt’s dann einen Bonus von der Staatsbank KfW.

Und nun? Alle Kaminöfen verbieten, mit mobilen Messstationen durch die Viertel fahren, ertappte Lagerfeuerromantiker unter zuckendem Blaulicht auf die Straße zerren? Nein! Irgendwann muss mit der Verboteritis und Dämonisierung Schluss sein. Was folgt als Nächstes? Ein Windelverbot? Verbannung von Alkohol und Zigaretten? Klimaschutz, Aufklärung, Grenzwerte, gerne. Aber bitte nicht Bevormundung und Vordringen des Staates in die letzte Ritze des Privaten.

Zusätzliche Rußpartikelfilter? Meinetwegen!

Kein Nachbar reißt abends sein Fenster auf, atmet gierig staubige Kaminabgase ein, um mutwillig die Lungen zu peinigen und sein Leben zu verkürzen. Kerzen übrigens sind wahre Feinstaubmonster. Beim nächsten Weihnachtsfest unbedingt dran denken. Feuer spendet Emotionen, archaische Wärme. Die Seele kommt zur Ruhe. Der Holzgeruch entführt den vom Büro gestressten Geist in endlose skandinavische Wälder. Jedes Holzscheit ist ein kleines Stück (nachwachsende!) Natur.

Moderne Öfen haben hohe Wirkungsgrade. Die Auflagen der BImSchV (Bundes-Immissionsschutzverordnung) sind streng und werden strenger. Meinetwegen soll der Gesetzgeber zusätzliche Rußpartikelfilter vorschreiben.

Was wäre die Evolution ohne Feuer?

Ofenbesitzer müssen umsichtig sein. Immer nur trockenes, mindestens zwei Jahre abgelagertes Feuerholz benutzen. Nieder mit der Restfeuchte. Niemals Hausmüll verbrennen. Rücksicht auf Nachbarn nehmen. Der Umwelt zuliebe lieber einmal weniger als mehr zündeln.

Ansonsten Finger weg von unseren Kaminen. Was wäre die Evolution ohne Flammen! Schon Ötzi hatte Zunder, Pyrit und Glutschale dabei, um mit einem urzeitlichen Feuerzeug Funken zu schlagen, kurz vor seinem Ableben im Alpenglühen ein schmackhaftes Stück Steinbock zu braten. Am Feinstaub ging er dabei nicht zugrunde. Der Gletschermann wurde vor über 5000 Jahren wahrscheinlich erschossen – profan mit einem Pfeil.