Mordfall

Fall Khashoggi: Trump hält am saudischen Kronprinzen fest

US-Präsident Donald Trump (r.) und der saudischer Kronprinz Mohammed bin Salman bei einem Empfang im Weißen Haus im März.

US-Präsident Donald Trump (r.) und der saudischer Kronprinz Mohammed bin Salman bei einem Empfang im Weißen Haus im März.

Foto: --- / dpa

US-Präsident Trump hält eine Beteiligung Riads an der Tötung von Jamal Khashoggi für möglich. Doch die Geschäfte sind ihm wichtiger.

US-Präsident Donald Trump hält es für gut möglich, dass der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman von der Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi wusste. Trotzdem will Trump weiter an bin Salman festhalten, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten schriftlichen Erklärung Trumps hervorgeht.

„Es könnte sehr gut sein, dass der Kronprinz Kenntnis von diesem tragischen Vorfall hatte – vielleicht hatte er das und vielleicht hatte er das nicht!“, heißt es in der Erklärung. Und weiter: „Die Vereinigten Staaten beabsichtigen, ein fester Partner Saudi-Arabiens zu bleiben.“

Die CIA hält „MbS“ für den Drahtzieher

Khashoggi war am 2. Oktober in das saudische Konsulat in Istanbul gegangen, um Papiere für seine geplante Hochzeit abzuholen. Er kam nie wieder heraus. Saudi-Arabien hatte erst nach massivem internationalen Druck eingeräumt, dass der Regierungskritiker dort getötet wurde.

Das saudische Königshaus beteuerte aber, nichts von alldem gewusst zu haben. Im Fokus steht dabei vor allem Kronprinz Mohammed bin Salman, kurz „MbS“ – der starke Mann des Landes. Die „Washington Post“ hatte unter Berufung auf mehrere Quellen berichtet, die CIA sehe Mohammed bin Salman als Drahtzieher hinter dem gewaltsamen Tod Khashoggis.

Trump hält gute Geschäfte für wichtiger

Das US-Außenministerium hatte zunächst betont, es gebe noch keine abschließende Bewertung zu dieser Frage. Mit Spannung wurde erwartet, wie sich Trump positionieren würde. Er hatte einen „umfassenden Bericht“ zu der Ermordung Khashoggis angekündigt, der bis zu diesem Dienstag vorliegen sollte. Nun veröffentlichte er eine kurze schriftliche Erklärung.

Darin preist Trump die Rolle Saudi-Arabiens im Kampf gegen den Terror und die engen wirtschaftlichen Beziehungen des Landes zu den USA. Saudi-Arabien investiere Milliarden in den Vereinigten Staaten und schaffe hier Hunderttausende Jobs. Wenn die USA so töricht wären, diese Verträge mit den Saudis aufzuheben, wären Russland und China die Profiteure, warnte der US-Präsident.

Trump glaubt lieber der saudischen Führung

„Das Verbrechen an Jamal Khashoggi war ein schreckliches, und eines, das unser Land nicht duldet“, heißt es weiter in seiner Erklärung. Die Vereinigten hätten auch bereits Sanktionen gegen jene verhängt, die in die Tat verwickelt gewesen seien. Der saudische König und der saudische Kronprinz hätten aber vehement zurückgewiesen, von den Mordplänen gewusst zu haben.

Die US-Geheimdienste untersuchten die Informationen zu dem Fall weiter – und möglicherweise habe der saudische Thronfolger von der Ermordung gewusst, erklärte Trump. „Möglicherweise werden wir nie alle Fakten rund um die Ermordung von Herrn Jamal Khashoggi erfahren.“ In jedem Fall aber bestehe die Verbindung zum saudischen Königreich. Das Land sei ein großartiger Verbündeter im wichtigen Kampf gegen den Iran.

„America First!“ lautet die Überschrift

Über der Erklärung steht „America First!“ („Amerika zuerst“) – und sie endet auch mit eben diesem Kern-Slogan aus Trumps Wahlkampagne. Der Präsident argumentiert, er handele allein im Interesse der USA, indem er an den Beziehungen zu Saudi-Arabien nicht rüttele.

Es gebe Mitglieder des Kongresses, die eine andere Meinung verträten, erklärte Trump weiter. „Und es steht ihnen frei, das zu tun.“ Er werde sich Vorschläge aus dem Parlament zum weiteren Vorgehen gerne anhören, aber immer danach handeln, was das Beste für das Land sei.

Trumps Schwiegersohn ist dicke mit „MbS“

Saudi-Arabien ist der weltweit größte Käufer von US-Rüstungsgütern und ein enger Verbündeter des US-Präsidenten. Trumps Schwiegersohn Jared Kushner pflegt enge Beziehungen zu „MbS“. Der Präsident hatte sich mit Kritik an Saudi-Arabien im Fall Khashoggi in den vergangenen Wochen sehr zurückgehalten – und bleibt nun bei dieser Linie.

Trotz großem internationalen und zunehmendem nationalen Druck, eine härtere Gangart gegenüber der saudischen Führung einzuschlagen.

Türkische Webseite veröffentlicht Details

Sieben Wochen nach dem Mord an Khashoggi veröffentliche eine türkische Webseite nun erstmals angebliche Zitate aus Tonaufnahmen von der Tat. Auf den Bändern sei zu hören, wie der Regierungskritiker ruft: „Lassen Sie meinen Arm los, was denken Sie, was Sie da tun“, heißt es in dem Bericht von „Habertürk“, den die Zeitung „Hürriyet“ aufgriff. „Habertürk“ berief sich auf Quellen aus Sicherheitskreisen.

Die türkische Regierung lanciert über Medien seit Wochen Details zum Mord im Konsulat, die Saudi-Arabien schwer belasten. Der Öffentlichkeit gewährte sie bisher keinen Zugang zu den Tonaufnahmen. (dpa/küp)