TV-Interview

Melania Trump klagt: Keiner wird so sehr gemobbt wie ich

Melania Trump im ägyptischen Kairo.

Melania Trump im ägyptischen Kairo.

Foto: CARLO ALLEGRI / REUTERS

Die First Lady der USA gab ihr erstes großes TV-Interview. Wer Aufklärung über den Stand der Trump-Ehe erwartete, wurde enttäuscht.

Washington.  Melania Trump steht hinter ihrem Mann, US-Präsident Donald Trump. Daran kann es nach dem ersten Solo-Fernseh-Interview der amerikanischen First Lady, das seit Tagen und in Häppchen beworben und am Freitagabend in voller Länge im US-Sender ABC ausgestrahlt wurde, keinen Zweifel geben.

Die Frage ist nur, welche Entfernung liegt zwischen den beiden. Auf der einen Seite die unnahbare, entschieden einsilbige First Lady, deren Auftritte schon seit dem Wahlkampf immer wieder für Spekulationen sorgen. Auf der anderen Seite der extrovertierteste Ich-Ich-Ich-Schreihals, der jemals im Weißen Haus zu Macht und Amt kam.

„Lieben Sie Ihren Ehemann?“

Mehr als einmal sah man während der einstündigen Inszenierung, die während der Afrika-Reise von Melania Trump entstand, in Gedanken die getrennten Schlafzimmer im Weißen Haus und auf Dienstreisen vor sich.

Frage: „Lieben Sie Ihren Ehemann?“ Antwort ohne jede Emphase: „Ja, es geht uns gut.“

Frage: „Haben die behaupteten außerehelichen Aktivitäten Ihres Mannes Ihre Ehe belastet?“ Antwort, fast gelangweilt im Ton: „Ich bin eine Mutter und First Lady und habe viel Wichtigeres zu bedenken und zu tun. Nächste Frage, bitte.“

Zu jedem Indiz, dass die emotionale Entfremdung zwischen den beiden Kilometer-Abstände erreicht haben könnte, gab es fein kalibrierte Gegenstücke, die der Geschichte des Paares etwas die Luft herausnehmen.

So hat Melania Trump nichts gegen die von ihrem Mann durchgedrückte und landesweit mehrheitlich als falsch empfundene Ernennung des Verfassungsrichters Brett Kavanaugh, dem die Psychologie-Professorin Christine Blasey Ford versuchte Vergewaltigung im Teenager-Alter vorwarf. Denn: „Wenn man jemanden anklagt, dann muss man auch die Beweise zeigen.“

Auch für die weltweit als unmenschlich kritisierte Eltern-Kind-Trennungspolitik ihres Gatten bei Flüchtlingen an der Grenze zu Mexiko, von der sie „überrumpelt“ worden sei und die sie persönlich im Gespräch mit dem Präsidenten abgelehnt habe, bringt die 48-Jährige unterm Strich Verständnis auf: „Wir müssen wissen, wer in unser Land kommt und wachsam sein.“

Melania Trump beklagt Kritik an ihrer Garderobe

Große Gemeinsamkeiten zwischen dem ehemaligen Model, das seit 13 Jahren mit dem New Yorker Unternehmer verheiratet ist, waren auch herauszuhören, als es um ihre Abneigung den Medien gegenüber ging. Sie spekulierten viel, „nicht alles ist zutreffend“, aber Tratsch verkaufe sich nun mal gut, sagte Melania Trump.

An keiner Stelle ließ sie jedoch durchblicken, dass sie ihrem Mann hundertprozentig glaubt, wenn er unterstellte Affären mit dem Porno-Star Stormy Daniels und dem Playboy-Model Karen McDougal in der Frühphase ihre Ehe leugnet. Aussagen, die ihr Trumps enger Vertrauter Rudy Giuliani in den Mund legte, wies sie brüsk zurück: „Ich habe nie mit Herrn Giuliani gesprochen.“

Stattdessen beklagt die First Lady, dass gerne über Nebensächlichkeiten (zum Beispiel ihre Kleidung) berichtet werde, aber nicht über die Dinge, die ihr wichtig seien: etwa der Kampf gegen Hassrede und Mobbing im Internet.

Dass gerade ihr Mann in dieser Disziplin kein leuchtendes Beispiel der Tugendhaftigkeit bietet, ist ihr sehr wohl bewusst. Aber seine „Handlung ist seine Handlung“. Und wie steht es um ihre? Lenkt sie nicht selber permanent den Scheinwerfer auf die Fassade?

In Afrika spazierte sie mit Tropenhelm im Stil der von Meryl Streep gespielten Kaffeeplantagenbesitzerin Karen Blixen in „Jenseits von Afrika“. Diese Helme wurden früher von den Kolonialmächten getragen, ein Umstand, der mehr Platz in den Kommentarspalten der Zeitungen fand als Trumps Engagement im Kampf gegen Not und Elend.

Nur eine Jacke? Sowas gibt es in der Politik nicht

Und auf dem Höhepunkt des Skandals um Migrantenkinder, die von ihren Eltern getrennt in Lagern an der Grenze zu Mexiko festgehalten wurden, reiste die First Lady nach Texas und verwirrte mit einer Jacke, auf deren Rückseite in Großbuchstaben zu lesen war: „Mir ist es völlig egal. Und dir?“ Tagelang rätselten Politik und Medien: Was bitteschön ist der Dame egal? Donald – oder die weinenden Migrantenkinder? „Es ist nur eine Jacke“, gab ihre Chef-Sprecherin damals genervt bekannt. „Es gibt keine versteckte Botschaft.“

Wie man jetzt weiß, war das eine Lüge. Gegolten habe die textile Provokation gezielt der „linksgerichteten“ Presse, die für sie so oft nur Kritik übrig habe, sagte Melania Trump dem wacker fragenden ABC-Moderator Tom Llamas. „Ich wollte ihnen zeigen, dass mir das egal ist.“

Einer der meist gemobbten Menschen der Welt

Wie widersprüchlich mutet es da an, dass – wie der Gatte – auch die First Lady eine Überportion Narzissmus und mangelnden Urteilsfähigkeit für normal hält. Ohne mit der Wimper zu zucken sagte sie, sie sei „einer der am meisten gemobbten Menschen der Welt“.

Trotzdem fühle sie sich in ihrer Rolle wohl und angekommen. „Ich genieße es. Ich liebe es wirklich, in Washington und im Weißen Haus zu leben“, sagt die Frau, die nach Donald Trumps Wahlsieg erst mit monatelanger Verzögerung aus New York nachreiste; auch zum Schutze des inzwischen zwölf Jahre alten Sohnes Barron.

Falls Donald Trump eine zweite Amtszeit anstrebe, werde sie ihn unterstützen. Melania Trump: „Ich bin überzeugt, dass mein Mann eine unglaubliche Arbeit für dieses Land leistet.“ Ob sie das wirklich glaubt? Aus der First Lady wird niemand schlau.