US-Senator

Abschiedsbrief: McCains letzte Worte an US-Präsident Trump

John McCain im Jahr 2008. Der Republikaner und frühere US-Senator wäre am Mittwoch 82 Jahre alt geworden.

John McCain im Jahr 2008. Der Republikaner und frühere US-Senator wäre am Mittwoch 82 Jahre alt geworden.

Foto: Carolyn Kaster / dpa

John McCain war einer der härtesten Trump-Kritiker bei den Republikanern. In seinem Abschiedsbrief distanziert er sich erneut von ihm.

Phoenix/Berlin.  Der am Wochenende im Alter von 81 Jahren gestorbene republikanische US-Senator John McCain hat eine Abschiedsbotschaft an seine Mitbürger hinterlassen. Sein langjähriger Vertrauter und Sprecher der Familie, Rick Davis, verlas den Abschiedsbrief am Montag (Ortszeit) in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona.

In dem Schriftstück ruft McCain die Amerikaner zu Geschlossenheit auf – und nutzt den Brief, um sich ein letztes Mal von US-Präsident Donald Trump zu distanzieren.

„Wir sind Bürger der großartigsten Republik der Welt, einer Nation von Idealen, nicht von Blut und Boden“, heißt es in dem Schreiben. Es gehe darum, diese Werte zu Hause und in der Welt aufrechtzuerhalten und zu fördern.

„Wir schwächen unsere Großartigkeit, wenn wir Patriotismus mit Stammesrivalitäten verwechseln, die Vorurteile und Hass und Gewalt in allen Ecken dieser Erde gesät haben“, schreibt McCain weiter. Als Stammesrivalität wird in den USA die Konkurrenz zwischen Republikanern und Demokraten bezeichnet. Bei allen Meinungsverschiedenheiten „hatten wir immer so viel mehr gemeinsam miteinander, als dass wir uneins waren“.

McCain distanziert sich erneut von Donald Trump

McCain grenzt sich in seiner Abschiedsbotschaft zudem deutlich von Trump ab. „Wir schwächen sie (die Großartigkeit, Anm. d. Red.), wenn wir uns hinter Mauern verstecken, statt sie einzureißen, wenn wir an die Macht unserer Werte zweifeln, statt an ihre schon immer dagewesene Kraft zu glauben, Dinge verändern zu können.“

Sein gespanntes Verhältnis zum US-Präsidenten war bereits Monate vor McCains Tod deutlich geworden, als er erklärte, Trump nicht als Trauergast bei seiner Beisetzung dabei haben zu wollen.

Der frühere US-Senator findet in seinem Abschiedsbrief auch sehr persönliche Worte und dankt seiner Familie. Kein anderer habe „eine stärker liebende Frau gehabt“ als er, niemand sonst habe „Kinder gehabt, auf die er so stolz sein könne“ wie er auf seine. McCain fühlte sich bis zum Ende seines Lebens als „glücklichster Mensch der Welt“. Er habe zwar Dinge in seinem Leben bereut, dennoch hätte er keinen einzigen Tag seines Lebens für den besten Tag aus dem Leben eines anderen eintauschen wollen.

McCain hätte an diesem Mittwoch seinen 82. Geburtstag gefeiert. Er war sechsmal als Vertreter von Arizona in den US-Senat gewählt worden. Im Jahr 2000 versuchte er sich erstmals als Präsidentschaftsbewerber, 2008 ein zweites Mal und wurde Kandidat seiner Partei, unterlag dann aber dem Demokraten Barack Obama. (mit dpa)