Nordkorea-Krise

Donald Trumps Gipfel-Show mit Kim Jong-un ist riskant

US-Präsident Donald Trump will zeigen: Ich kann auch Diplomatie.

US-Präsident Donald Trump will zeigen: Ich kann auch Diplomatie.

Foto: LEAH MILLIS / REUTERS

Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un hat bisher nur kleine Zugeständnisse gemacht. Vor dem Treffen mit Trump sind wichtige Fragen offen.

Berlin.  Fast scheint es so, als ob US-Präsident Donald Trump den Gipfel mit Kim Jong-un um jeden Preis bräuchte. Beim Treffen mit Nordkoreas Machthaber am 12. Juni in Singapur will sich Trump als historischer Friedensstifter zelebrieren. Die Botschaft im Blitzlichtgewitter der Weltpresse: Seht her, nur ich kann den Atomkonflikt mit dem ehemaligen Erzfeind Pjöngjang lösen.

Dieser Hang zur Entspannung ist erstaunlich. Denn an anderer Stelle sucht Trump die Konfrontation. Mit seiner Vogel-friss-oder-stirb-Politik bei Strafzöllen verprellt er nicht nur den geostrategischen Rivalen China, sondern auch Verbündete wie Kanada oder die EU. Angesichts der Kongresswahlen im November will der Chef des Weißen Hauses dem heimischen Publikum signalisieren: Ich kann Diplomatie, ich kann aber auch knallhart.

Wozu ist Nordkorea wirklich bereit?

Dieser mit viel Sinn für Drama und Show unterfütterte Kurs ist riskant. Nordkoreas Staatschef hat bislang nur Zugeständnisse gemacht, die ihn nichts kosten: Drei Amerikaner hat er freigelassen, ein bereits schwer beschädigtes nukleares Testgelände wurde gesprengt. Doch wichtige Fragen bleiben offen.

Nichts deutet darauf hin, dass Kim bereit ist, alle Atomanlagen und -waffen zu vernichten. Sie waren bislang die Lebensversicherung für sein Regime. Ferner gibt es keine Indizien, ob er lückenlose Inspektionen zulässt.

Trump könnte Gespräche Knall auf Fall beenden

Der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Zur Klärung sind lange Verhandlungen nötig, in denen fast nie eine Seite alles erhält. Immerhin hat Trump eingesehen, dass ein einmaliges Treffen keinen Durchbruch bringen kann – er spricht nun von einem „Prozess“. Ob er aber die Geduld für einen diplomatischen Marathonlauf aufbringt, darf bezweifelt werden.

Der an Dauer-Narzissmus leidende Präsident, der in seinem vorigen Leben Star in einer TV-Reality-Serie war, will spektakuläre Fernsehbilder. Wenn er keine schnellen Erfolge bekommt, besteht die Gefahr, dass er die Gespräche Knall auf Fall beendet. Es wäre der Startschuss für eine neue „Wut und Feuer“-Rhetorik.