Bundesgerichtshof

BGH bestätigt Verurteilung wegen Beihilfe zum NS-Massenmord

Der 95-jährige Oskar Gröning (M.) wurde wegen Beihilfe zum massenhaften Mord im Vernichtungslager Auschwitz verurteilt (Archiv).

Der 95-jährige Oskar Gröning (M.) wurde wegen Beihilfe zum massenhaften Mord im Vernichtungslager Auschwitz verurteilt (Archiv).

Foto: Axel Heimken / dpa

Das Urteil gegen Oskar Gröning ist laut dem Bundesgerichtshof rechtskräftig: Der frühere SS-Mann leistete Beihilfe zu 300.000 Morden.

Karlsruhe.  Im Fall des früheren SS-Unterscharführers Oskar Gröning hat der Bundesgerichtshof (BGH) erstmals eine Verurteilung wegen Beihilfe zum massenhaften Mord in einem NS-Vernichtungslager höchstrichterlich bestätigt.

Der Schuldspruch gegen den 95-Jährigen sei rechtskräftig, sagte Grönings Verteidiger Hans Holtermann am Montag in Karlsruhe. Zuerst hatte die „Bild“-Zeitung darüber berichtet. Vom BGH lag dafür zunächst keine Bestätigung vor.

Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen

Gröning war im Juli 2015 in einem der letzten großen Auschwitz-Prozesse vom Landgericht Lüneburg zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte eingeräumt, das Geld der verschleppten Juden verwaltet und die Ankunft der Transporte mit beaufsichtigt zu haben. Das Gericht wertete das als Beitrag zum Funktionieren der nationalsozialistischen Tötungsmaschinerie.

Damit wurde Gröning sieben Jahrzehnte nach dem Holocaust wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen verurteilt, ohne dass er an einzelnen Mordtaten direkt beteiligt war. Revision dagegen eingelegt hatten Gröning selbst sowie mehrere Nebenkläger.

Gefängnisstrafe hängt von Gesundheit ab

Mit dem Karlsruher Beschluss ist dieses Urteil laut Holtermann rechtskräftig. Damit wäre der Weg frei, auch anderen hochbetagten Handlangern des NS-Regimes den Prozess zu machen. Ob Gröning ins Gefängnis muss, hängt von seiner Gesundheit ab. (Az. 3 StR 49/16)

Jahrzehntelang wurden am Holocaust Beteiligte nicht zur Verantwortung gezogen, weil sie zwar Rad im Getriebe waren, aber nicht selbst getötet hatten. Eine Wende leitete erst das Münchner Urteil gegen den früheren Sobibor-Aufseher John Demjanjuk von 2011 ein. Aber dessen Verurteilung wegen Beihilfe zum Mord an 28.000 Juden wurde nie rechtskräftig, weil Demjanjuk vorher in einem Pflegeheim starb. (dpa)