Twitter-Panne

Lob für linke Punkband beschert Minister Maas Shitstorm

Das Konzert des Anstoßes: Sänger Jan Gorkow von der Punkband „Feine Sahne Fischfilet“, Rapper Marteria und Campino , Sänger der Toten Hosen (v.l.) bei ihrem Auftritt in Anklam.

Das Konzert des Anstoßes: Sänger Jan Gorkow von der Punkband „Feine Sahne Fischfilet“, Rapper Marteria und Campino , Sänger der Toten Hosen (v.l.) bei ihrem Auftritt in Anklam.

Foto: Stefan Sauer / dpa

Justizminister Maas hat sich bei Twitter einen Ausrutscher geleistet. Im Netz hagelt es Kritik. Nun betreibt er Schadensbegrenzung.

Berlin.  Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) gehört zu den fleißigsten Twitterern unter den Kabinettsmitgliedern. Er twittert über Verbraucherschutz, Zuwanderung oder schickt einfach mal nur ein selbst geknipstes Foto von der Saarschleife hinaus in die Welt seiner Follower. Am Mittwoch twitterte er seine Betroffenheit über die Erdbeben-Katastrophe in Mittelitalien – auf Italienisch.

Doch nun gibt es Ärger für den Twitterer Maas. Der Minister offenbarte Schwächen im Fach Musik. Und das kam so.

„Feine Sahne Fischfilet“ organisiert das Konzert

Bekannte Musiker wie „Tote Hosen“-Frontmann Campino und der Rapper Marteria wollten am vorigen Dienstag ein Zeichen gegen Rechts setzen. Gemeinsam traten sie deshalb bei einem Konzert in der Kleinstadt Anklam nahe Usedom auf – schließlich ist Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern. Organisiert wurde das Konzert von der Punk-Gruppe „Feine Sahne Fischfilet“. Die nennt sich wirklich so.

Gegen Rechts? Das ist gut, dachte sich offenbar Minister Maas und lobte das Konzert: „Tolles Zeichen gg Fremdenhass u Rassismus. Danke #Anklam #Campino @marteria @feinesahne! #nochnichtkomplettimarsch“, hieß es am Mittwoch auf seinem Twitter-Account.

Punk-Band steht im Verfassungsschutzbericht

Was der Justizminister offenbar nicht wusste: „Feine Sahne Fischfilet“ taucht unter anderem im Jahr 2012 im Verfassungsschutzbericht des Landes Mecklenburg-Vorpommern auf. Darin heißt es: „Die autonome Punkband FSF entfaltet neben ihrem musikalischen Wirken auch linksextremistische Aktivitäten – sie ist daher als politischer Zusammenschluss anzusehen. Die Gruppe versteht Gewalt als legitimes Mittel der Auseinandersetzung mit Rechtsextremisten und verbreitet diese Ansicht auch.“ Andere kritisieren Texte der Band, die sich aus ihrer Sicht gegen den Staat und die Polizei richteten.

Tatsächlich heißt es etwa in dem Lied „Staatsgewalt“ aus dem ersten FSF-Album „Backstage mit Freunden“: „Wir stellen unseren eigenen Trupp zusammen/ Und schicken den Mob dann auf euch rauf/ Die Bullenhelme – sie sollen fliegen/ Eure Knüppel kriegt ihr in die Fresse rein/ Und danach schicken wir euch nach Bayern/ denn die Ostsee soll frei von Bullen sein“. Heute distanziert sich die Band allerdings von ihrem Erstlingswerk.

Auch in den sozialen Netzwerken war der Ärger auf den Minister groß. Auf seiner Facebook-Seite wird der Minister teils heftig angegangen. „Ein Bundesminister hofiert derart menschenverachtende und hasserfüllte ,Kunst’“, kritisiert da jemand. Ein anderer Kommentar lautet: „Erst informieren, dann schreiben. Von einen Justizminister ist das ein Armutszeugnis.“ Auch auf Twitter gab es böse und hämische Reaktionen:

„Nicht jede Textzeile zu eigen gemacht“

Inzwischen ist der Minister auf dem Rückzug. Eine Sprecherin des Justizministeriums verwies auf das Social-Media-Team des Ministers. Dieses „ist durch die zahlreichen positiven Berichte in diversen Medien auf das Konzert mehrerer Musiker in Anklam aufmerksam geworden. Es hat sich durch den Verweis bei Twitter und Facebook auf einen Beitrag der Tagesschau selbstverständlich in keiner Weise jede einzelne Textzeile aller jemals gesungenen Lieder der dort aufgetretenen Musiker zu eigen gemacht. Davon sind wir weit entfernt“.

Und weiter heißt es: Der Minister habe auch in der Vergangenheit immer klar gemacht, dass für politische Gewalt durch Extremisten in der freiheitlichen Demokratie niemals Platz sei, „völlig egal, welche Motive die Täter haben. Das Recht ist für alle gleich“. (mit dpa)