Wahlen

Mit Sarkozy kehrt der Meister der Selbstinszenierung zurück

Bad in der Menge: Nicolas Sarkozy schüttelt die Hände von Anhängern in Paris. Er hat seine erneute Kandidatur fürs Präsidenten-Amt angekündigt.

Bad in der Menge: Nicolas Sarkozy schüttelt die Hände von Anhängern in Paris. Er hat seine erneute Kandidatur fürs Präsidenten-Amt angekündigt.

Foto: Etienne Laurent / dpa

Nicolas Sarkozy will 2017 wieder Frankreichs Präsident werden. Sein Rezept für den Wahlkampf ist ein knallharter Anti-Terror-Kurs.

Paris/Berlin.  Kaum ein französischer Politiker beherrscht die Kunst der Selbstinszenierung so gut wie Ex-Präsident Nicolas Sarkozy. Er kennt alle Register von feierlich über pompös bis hin zu dramatisch. Umso mehr hat der 61-Jährige Freund wie Feind mit der Schnörkellosigkeit überrumpelt, mit der er den Start seiner Operation „Rückeroberung des Élysée-Palasts“ einleitete. „Ich habe mich entschlossen, als Kandidat für die Präsidentschaftswahlen 2017 anzutreten. Ich spüre, dass ich die Kraft habe, diesen Kampf in einem so schwierigen Moment unserer Geschichte zu führen“, teilte der Neo-Gaullist mit.

Links wie rechts kommen die Kandidaten aus der Deckung

In den kommenden Monaten dürfte der Chef der bürgerlichen Republikaner-Partei für jede Menge Wirbel sorgen. Denn Wahlkampf kann „Sarko“, Trommeln erst recht. So war der Ankündigung auf dem Kurznachrichtendienst Twitter ein Foto des Umschlags seines neuesten Buches beigefügt, dessen Niederschrift bis zuletzt geheim gehalten wurde. „Tout pour la France“ – „Alles für Frankreich“ – lautet der Titel des Werks, das am Mittwoch in die Buchläden kommt.

Die Thesen des Bandes lesen sich wie ein ideeller Wettlauf gegen Marine Le Pen, die Chefin des rechtsextremen Front National (FN). So fordert Sarkozy bei der Einwanderung den Stopp der Familienzusammenführung bis zur Verabschiedung eines strikteren Immigrationsgesetzes. In Frankreich lebende Ausländer sollen eine Einbürgerung erst nach zehn – bisher fünf – Jahren beantragen können. Ferner plädiert Sarkozy für die Schaffung eines eigenen Terrorismusgerichtshofes sowie die Internierung von rund 10.000 Personen, die wegen des Verdachts islamischer Radikalisierung unter Beobachtung stehen.

2012 wurde „Präsident Bling-Bling“ abgewählt

Ob dies für einen politischen Durchmarsch reicht, bleibt abzuwarten. 2012 war der wegen seines Hangs zu Glitzer, Glamour und teuren Urlaubsreisen als „Präsident Bling-Bling“ verspottete Staatschef abgewählt worden. Die Franzosen zogen den damals bescheiden und unspektakulär auftretenden Sozialisten François Hollande vor.

Nun muss Sarkozy erst einmal seine Kandidatur für die parteiinternen Vorwahlen zur Auswahl des Spitzenkandidaten im November anmelden. Seine Marschroute? „Sarko auf allen Kanälen natürlich“, umreißt sein engster Vertrauter Brice Hortefeux lächelnd die Strategie des „Kandidaten für die Kandidatur“, der bereits am Donnerstagabend den ersten großen Wahlkampfauftritt absolvieren wird.

Ein gutes Dutzend parteiinterner Rivalen

Im April nächsten Jahres findet der erste Durchgang der französischen Präsidentschaftswahlen statt, im Mai kommt es zur Stichwahl. Aber nicht nur Sarkozys Aussichten auf die Spitzenkandidatur der konservativen Republikaner sind gut. In seinem nach einer Serie blutiger Terroranschläge verunsicherten Land verspricht er eine knallharte Rezeptur. Er setzt dabei auf sein Image als kompromissloser Law-and-Order-Innenminister in den Jahren 2002 bis 2004. Ein Bulldozerkurs gegen die Kriminalität im Land wurde zu seinem Markenzeichen. Eine Welle der Zustimmung hatte ihn bei den Wahlen 2007 in den Élysée-Palast getragen.

Noch muss sich Sarkozy aber mit einem guten Dutzend parteiinterner Rivalen auseinandersetzen, zu denen sein ehemaliger Premier François Fillon (62) oder Ex-Minister Bruno Le Maire (47) zählen. Aber sein größter Konkurrent heißt Alain Juppé. Der 71-jährige Bürgermeister von Bordeaux, der zahlreiche wichtige Regierungsämter innehatte und unter Präsident Jacques Chirac Regierungschef war, liegt in allen Umfragen konstant vorn. Allerdings wurde sein Vorsprung auf Sarkozy zuletzt immer kleiner, obwohl dieser noch gar nicht in den Wettstreit eingetreten war.

Der linke Flügel der Sozialisten will Hollande verhindern

Auch im linken Lager kommen acht Monate vor den Präsidentschaftswahlen die letzten Anwärter aus der Deckung. Am Sonntag kündigte der vor zwei Jahren von Präsident Hollande gefeuerte Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg (53) seine Kandidatur an und kritisierte den Regierungskurs. Der europaskeptische und germanophobe Sozialist scheute sich nicht, Hollandes Politik als gescheitert zu bezeichnen.

Dem linken Flügel der Sozialistischen Partei, der bereits seit dem Frühjahr offen gegen Hollande revoltiert, spricht er damit aus dem Herzen. Er will bei den Vorwahlen der Partei im Januar unbedingt verhindern, dass Hollande sich um eine zweite Amtszeit bewirbt.

Hollande hat der Organisation dieser Vorwahlen zugestimmt, ein Novum für einen amtierenden Staatspräsidenten, der in Frankreich traditionell als „natürlicher“ Kandidat seiner Partei für eine Wiederwahl angesehen wird. Freilich gilt sein Sieg bei diesen Vorwahlen als gewiss – falls er antreten sollte. Denn Hollande, der laut aktuellen Umfragen keine Chancen hat, den Sprung in die Stichwahlgang zu schaffen, will seine Entscheidung erst im Dezember treffen.

FN-Chefin Marine Le Pen liegt in allen Umfragen vorn

Die schlechten Aussichten des beispiellos unpopulären Amtsinhabers liegen nicht allein an den Widerständen gegen seine zaghaften Wirtschaftsreformen oder an der Zerrissenheit der Sozialistischen Partei. Zusätzliche Hürden sind die Gegenkandidaturen aus dem linken Lager. Das gilt zum einen für die Linksfront, für die der derzeit in Umfragen nur wenige Punkte hinter Hollande liegende Volkstribun Jean-Luc Mélenchon (65) in die Schlacht zieht. Für die Grünen wird demnächst wohl die Ex-Wohnungsbauministerin Cécile Duflot (41) auf den Schild gehoben.

Diese Zersplitterung der Linken spielt dem konservativen Kandidaten – egal ob Sarkozy oder Juppé – in die Karten. Die Chancen, in den Stichwahlgang zu gelangen, sind jedenfalls gut. Dort wird er aller Wahrscheinlichkeit nach auf Marine Le Pen (48) treffen. Von der Chefin des rechtsextremen Front National ist in diesen Wochen zwar kein Wort zu hören. Aber sie, die ihre Präsidentschaftskandidatur schon vor zwei Jahren angekündigt hatte, kann sich die vornehme Zurückhaltung leisten. Schließlich liegt Le Pen seit Monaten in allen Umfragen vorn.