3. Oktober

Einheitsfest in der Hauptstadt: Hunderttausende feiern

Ein Feuerwerk wird am 03.10.2015 vor dem Reichstag in Berlin am Tag der Deutschen Einheit bei einer Feierstunde des Deutschen Bundestages gezündet

Ein Feuerwerk wird am 03.10.2015 vor dem Reichstag in Berlin am Tag der Deutschen Einheit bei einer Feierstunde des Deutschen Bundestages gezündet

Foto: Rainer Jensen / dpa

Es ist ein Feiertag wie aus dem Bilderbuch. Schönes Wetter, entspannte Besucher, und ein Feuerwerk gibt es auch zum 3. Oktober in Berlin.

Berlin. Hunderttausende Menschen haben in der Hauptstadt den 25. Jahrestag der Deutschen Einheit gefeiert. Berliner und Touristen strömten am Samstag in Massen zur Festmeile am Brandenburger Tor. Bei einer Jubiläumsfeier am Reichstag mahnte Bundestagspräsident Norbert Lammert, die deutsche Einheit und das Zusammenwachsen Europas nicht als Selbstverständlichkeit zu sehen. Zu dem Festakt des Bundestages kam auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Sie hatte zuvor wie Bundespräsident Joachim Gauck an der zentralen Einheitsfeier in Frankfurt am Main teilgenommen.

„Glücklichere Zeiten gab es in Deutschland nie“, sagte der Bundestagspräsident am Samstagabend. „Aber wir alle sollten heute nicht für selbstverständlich halten, was wir jahrzehntelang für ausgeschlossen gehalten haben.“ Deutschland sei Vorbild und Zufluchtsort für viele, und für manche sogar ein Sehnsuchtsland, unterstrich Lammert mit Blick auf die nach Deutschland kommenden Flüchtlinge. Daraus sei eine besondere Verantwortung entstanden, der mit Selbstbewusstsein und Augenmaß Rechnung getragen werden müsste. Das Glück der Einheit sollte Ermutigung sein, neue Herausforderungen anzugehen.

Die Festmeile am Brandenburger Tor musste wegen Überfüllung teilweise geschlossen werden. S-Bahnzüge hielten nicht mehr am Wahrzeichen Berlins. Imbiss- und Getränkebuden waren umlagert. Dicht an dicht standen die Menschen an der großen Bühne. „Alles ist friedlich, es herrscht Volksfest-Atmosphäre. Das ist ein großes, friedliches Fest“, sagte ein Polizeisprecher.

Bei dem „Festival der Einheit“ sollte am Abend noch die Rockband Revolverheld auftreten. Nur wenige hundert Meter weiter stieg auf dem Platz der Republik am Reichstag zum Abschluss des Bundestags-Festaktes ein Feuerwerk in den Abendhimmel. Auf der Wiese vor dem Reichstag hatten es sich bereits am Nachmittag zahlreiche Menschen bequem gemacht.

Bei der zentralen Einheitsfeier in Frankfurt sagte Bundespräsident Joachim Gauck, die Integration Hunderttausender Flüchtlinge sei eine noch größere Aufgabe als die deutsche Wiedervereinigung. Das Staatsoberhaupt würdigte auch die Leistungen der DDR-Bürgerrechtsbewegung auf dem Weg zur Wiedervereinigung.

Kanzlerin Merkel sagte in Frankfurt: „Es ist wunderschön, dass wir heute den 25. Jahrestag der Deutschen Einheit feiern können.“ Auch sie rief zur internationalen Zusammenarbeit auf.

Die zentrale Feier am Tag der Deutschen Einheit wird immer von dem Land ausgerichtet, das aktuell den Bundesratspräsidenten stellt. Berlin wurde in Frankfurt von Innensenator Frank Henkel (CDU) repräsentiert.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte vorab erklärt, Berlin habe allen Grund zur Freude. Der Mauerfall und die Vereinigung hätten eine positive Entwicklung ermöglicht. Berlin sei zusammengewachsen. Jetzt stehe die Aufgabe, Flüchtlingen Obdach, Sicherheit und Existenz zu garantieren. Berlin sei bereit, anderen etwas von dem zu geben, was die Menschen dort selbst an Glück und Solidarität erfahren haben.

Henkel sagte am Rande der Feierlichkeiten in Frankfurt, es sei gut gelungen, Berlin als Bundeshauptstadt aufzustellen. Nach einem Vierteljahrhundert Deutscher Einheit sei es aber an der Zeit, dass die Bundesregierung vollständig in Berlin sitzt. „Ich fordere einen zügigen Umzug aller Ministerien und Dienstsitze von Bonn nach Berlin.“ Dies wäre ein Zeichen zur Vollendung der Einheit.

Bei einem ökumenischen Gottesdienst in Schwerin betonte der Berliner Erzbischof Heiner Koch, die Einheit könne nur wachsen, wenn Menschen sich gegenseitig wertschätzten und den Anderen in seiner Andersartigkeit nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung anzunehmen bereit seien.