Euro-Krise

Wie ernst ist das letzte Angebot von Alexis Tsipras?

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras mit EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras mit EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker

Foto: Julien Warnand

Die Börsen feiern schon, die Zeitungen in Griechenland posaunen eine Lösung im Schuldenstreit heraus. Die Zeche zahlen andere.

Brüssel/Athen. Die Börsen in Athen und Frankfurt nehmen am Montagmorgen ein positives Ergebnis des Brüsseler Gipfels zur Euro-Krise um Griechenland bereits vorweg. Die Aussicht auf eine Einigung im Schuldenstreit mit der Euro-Gruppe, dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) hob den Leitindex Athex Composite um 6,29 Prozent auf 730,55 Punkte hoch. Die Aktien der Alpha Bank und der Piraeus Bank zählten mit Gewinnen von rund 15 beziehungsweise mehr als 14 Prozent zu den Favoriten. Damit ist der Athex Composite gleichwohl von seinem Ende Mai erreichten Zwischenhoch von mehr als 850 Punkten noch ein gutes Stück entfernt.

Auch der Dax stieg vorläufig in die Höhe. Im frühen Handel sprang der deutsche Leitindex um 2,84 Prozent auf 11.353,92 Punkte nach oben. Die Vorwoche hatte er noch mit einem Minus von rund anderthalb Prozent beendet.

Grexit? Die Banken sehen die Gefahr als gering an

Neue Vorschläge aus Athen wurden von mehreren Seiten als gute Verhandlungsbasis vor einem Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs der Eurozone gewertet. Börsianer hoffen nun auf eine Rettung in letzter Sekunde. Die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland die Eurozone verlasse, bleibe gering, hieß es in einem aktuellen Kommentar der US-Bank JPMorgan Chase.

In Brüssel wollen um die Mittagszeit die Finanzminister der Eurozone zusammenkommen, am Abend folgen die Staats- und Regierungschefs der 19 Länder der Währungsgemeinschaft. Die Zeit drängt: Das aktuelle europäische Hilfsprogramm für Griechenland läuft Ende des Monats aus. Streitpunkt in den Verhandlungen ist seit Monaten, welche Einsparungen und Reformen Athen umsetzen muss. Die Geldgeber wollen nur bei konkreten Zusagen weitere Finanzmittel freigeben.

Steigt die Mehrwertsteuer, zahlen auch die Griechenland-Urlauber drauf

Hier gab es zuletzt positive Signale: Laut der griechischen Presse soll Athens Ministerpräsident Alexis Tsipras nun bereit sein, die Mehrwertsteuer für Grundnahrungsmittel, Restaurants und Hotels zu erhöhen, die meisten Frührenten abzuschaffen und die Reichen des Landes mit einer Sondersteuer zu belegen. Die Steuererhöhung beträfe auch die Urlauber, von denen Zehntausende in diesen Wochen auch aus Deutschland kommen. Mit Sondersteuern auf Vermögende waren jedoch auch Vorgängerregierungen gescheitert.

Alexis Tsipras sollte sich um 10.30 Uhr in der EU-Kommission mit Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker treffen. Um 11 Uhr solle laut Diplomaten ein Treffen mit Vertretern aller Geldgeber folgen. Mit dabei ist die IWF-Chefin Christine Lagarde. Die EZB ist durch Direktoriumsmitglied Benoit Coeuré vertreten. Auch Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem soll anwesend sein.

Minderheitenmeinung? Manch Grieche wünscht sich Putin als Retter

Die griechische Presse charakterisiert unterdessen den Sondergipfel der Euro-Staaten als einen der wichtigsten in der Geschichte der Europäischen Union. Regierungschef Alexis Tsipras sei offenbar bereit, in vielen Punkten nachzugeben. Der Erfolg sei aber nicht gesichert. „Athen unterschreibt“, titelt die Athener Zeitung „Ta Nea“. Tsipras gebe nach bei den Themen Ende der Frührenten, mehr Steuern für die Unternehmen, Erhöhungen der Mehrwertsteuern im Bereich Tourismus. „Die Mutter aller Gipfel“, titelt das linksgerichtete Blatt „Efimerída ton Syntaktón“. Athen sei nun bereit, die Mehrwertsteuer im Tourismussektor zu erhöhen und fordere eine Umschuldung.

Tsipras schlage die Erhöhung der Rentenbeiträge vor, damit die Renten nicht gekürzt werden müssten, berichtet das Boulevardblatt „Ethnos“. Athen hofft auf Investitionen gegen die Arbeitslosigkeit.

Das nationalistische Blatt „Eleftheri Ora“ ruft den russischen Präsidenten Wladimir Putin um Hilfe. „Putin, rette Griechenland“, titelt das Blatt auf Griechisch und Russisch. „Orthodoxer Bruder Wladimir: Jetzt können wahrscheinlich nur noch Sie uns helfen.“ (HA/dpa)