Hungerkatastrophe in Ostafrika

Kieler Forscher greift Politik an: Dürre in Afrika war klar

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Der Klimaforscher Mojib Latif wirft der internationalen Gemeinschaft Ignoranz vor. Die Dürreperiode sei schon vor einem Jahr vorhersehbar gewesen.

Kiel. Der renommierte Kieler Klimaforscher Mojib Latif hat der internationalen Gemeinschaft Versagen und Ignoranz im Umgang mit der Hungerkatastrophe am Horn von Afrika vorgeworfen. Die Dürre in der Region sei seit über einem Jahr absehbar gewesen, sagte der Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Meereswissenschaften an der Universität Kiel im Gespräch mit dem "Flensburger Tageblatt" (Freitag). Regierungen in aller Welt hätten Zugriff auf die entsprechenden Daten gehabt. Nur gehandelt worden sei nicht. "Die haben unsere Daten schlicht ignoriert."

Latif erklärte den Ausfall von Niederschlägen in Afrika mit dem regelmäßig wiederkehrenden Klimaphänomen La Niña. Dabei kühle sich der Pazifik im Äquatorraum – im Gegensatz zu El Niño – deutlich ab. Dies beeinflusse auch die Regelfälle auf dem afrikanischen Kontinent. Forscherkollegen hätten diese Entwicklung bereits um die Jahreswende 2009/10 vorhergesagt, erklärte Latif. Solche Kurzfrist-Prognosen seien durch langjährige Beobachtungen und Klimamodelle abgesichert und besäßen eine hohe Zuverlässigkeit von 80 Prozent.

"Damit war allerspätestens im Sommer vergangenen Jahres klar, dass es in Afrika zu einer Dürrekatastrophe kommen würde." Auch seien die ermittelten Klimadaten "keine geheime Verschlusssache, sondern für Regierungen in aller Welt wie auch für die Vereinten Nationen verfügbar". Laut Latif gibt es sogar ein Institut an der amerikanischen Columbia Universität, dass eigens für diese Zwecke Mitte der 1990er Jahre gegründet wurde. Mögliche Hilfen für die am Horn von Afrika Hungernden Menschen, die "jetzt überstürzt anlaufen" und erst langsam Wirkung entfalteten, hätten "schon vor einem Jahr sorgsam geplant und gezielt anlaufen können", sagte Latif. (dpa)

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