Dürre in Ostafrika

Unicef: "Wir haben eine Riesenaufgabe vor uns"

Rund elf Millionen Menschen sind von der Dürre in Ostafrika betroffen. Die nächste Ernte ist noch mindestens vier Monate entfernt.

Mogadischu/Nairobi. Die Situation am Horn von Afrika wird immer dramatischer. "Es werden weitere vier oder fünf Monate vergehen, bevor es überhaupt eine Ernte geben kann, wir haben eine Riesenaufgabe vor uns", sagte Unicef-Direktor Anthony Lake am Ende eines viertägigen Besuchs in Kenia. In vielen Gegenden seien die Menschen bereits zu schwach oder zu arm, um überhaupt Hilfe zu suchen.

Unter den elf Millionen Menschen, die von der Dürrekatastrophe betroffen sind, befinden sich nach Angaben der Vereinten Nationen rund 500 000 Kinder. Laut dem Uno-Kinderhilfswerk Unicef brauchen insgesamt zwei Millionen Kinder bereits heute Nahrungshilfe. Wenn nicht schnell eine Verbesserung erreicht würde, werde sich die Situation bis Anfang 2012 weiter verschlimmern.

Die Krise begrenze sich dabei aber nicht auf die Tausenden Flüchtlinge aus Somalia, die täglich Zuflucht in den Nachbarländern suchten. Betroffen seien auch Millionen von Farmern und Viehhaltern in Kenia und Äthiopien, die dringend Regen bräuchten, um überleben zu können, erklärte Unicef. Auch dort hat sich die Lage in den vergangenen Wochen zugespitzt.

Es seien verschiedene Faktoren zusammengekommen, die die derzeitige Krise ausgelöst hätten, sagte Lake: "Was wir hier erleben, ist fast so etwas wie den perfekten Sturm: Der Konflikt in Somalia, die steigenden Benzin- und Lebensmittelpreise, dazu Dürre und ausbleibender Regen."

Angesichts der schlimmsten Dürre seit 60 Jahren haben die islamistischen Milizen, die weite Teile Somalias beherrschen, ihr Verbot für internationale Hilfe aufgehoben. So konnten die Vereinten Nationen erstmals wieder Nahrungshilfe in Gebiete bringen, die von der radikalen Shaabab-Bewegung kontrolliert werden. Die Islamisten hätten dabei keine Steuern oder Abgaben verlangt, sagte Rozanne Choltron, Leiterin des Unicef-Programms für Somalia.

Papst Benedikt XVI. bat gestern beim Angelusgebet in seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo um mehr internationales Engagement, um den schon stark geschwächten Menschen schnell Hilfe zu schicken. "Unsere Solidarität und konkrete Hilfe für die betroffene Bevölkerung darf nicht fehlen", mahnte das Kirchenoberhaupt.

Die Bundesregierung erhöhte ihre Soforthilfe um fünf Millionen Euro. Das teilten Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel und Außenminister Guido Westerwelle (beide FDP) mit. Mit dem Geld sollen vor allem Flüchtlinge, Binnenvertriebene, Frauen und Kinder versorgt werden. Gleichzeitig forderten die FDP-Politiker die Bundesbürger zu Spenden für die Hungernden am Horn von Afrika auf. Bewährte deutsche Hilfsorganisationen stellten sicher, dass die Hilfe den betroffenen Menschen unmittelbar zugutekomme, betonten sie.

Der britische Minister für Entwicklung, David Mitchell, forderte die europäischen Staaten zu mehr Hilfe auf. "Wir haben bisher einige lächerliche Angebote von reichen europäischen Regierungen gesehen" sagte Mitchell in Nairobi. Mitchell versprach eine Spende der britischen Regierung in Höhe von 60 Millionen Euro. Die deutsche Hilfsorganisation I.S.A.R. Germany kündigte derweil an, morgen ein Expertenteam in das größte Flüchtlingslager der Welt im kenianischen Dadaab zu schicken. Die vier Ärzte und Pfleger sollen eine halbe Tonne Medikamente zu den fast 400 000 Menschen bringen, die derzeit in dem Camp leben. Häufig leiden die Flüchtlinge unter Durchfällen und der damit verbundenen Austrocknung des Körpers. Zudem wollen die Helfer Wunden versorgen.