Truppenabzug aus Afghanistan

US-Präsident Obama will Soldaten nach Hause holen

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abendblatt.de

US-Präsident Barack Obama will sein Versprechen einlösen und im Juli beginnen, in Afghanistan stationierte Soldaten abzuziehen.

Washington. Medienberichten zufolge will US-Präsident Barack Obama sein Versprechen einlösen und bis Ende dieses Jahres rund 10.000 Soldaten aus Afghanistan abziehen. Bis Ende 2012 solle die Zahl der dort stationieren Soldaten um insgesamt 30.000 verkleinert werden, hieß es unter Berufung auf Regierungsbeamte weiter. Zurzeit sind etwa 100.000 US-Soldaten am Hindukusch im Einsatz. Einzelheiten will der Präsident am Mittwoch um 20.00 Uhr Ortszeit (02.00 MESZ am Donnerstag) in einer Rede an die Nation bekanntgeben. Bis 2014 wollen USA und Nato die Verantwortung für die Sicherheitslage an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben.

Ende 2009 hatte Obama die bisherige Zahl um gut 30.000 aufgestockt, um die wachsende Gewalt in Afghanistan zu stoppen. Um die gleiche Anzahl soll der Truppenumfang dem Sender zufolge nun stufenweise bis Ende nächsten Jahres zurückgehen. Ein Teil heimkehrender Soldaten solle nicht mehr ersetzt, auf erwogene Neustationierungen verzichtet werden, hieß es weiter.

In Presseberichten war bisher spekuliert worden, dass Obama in diesem Jahr zwischen 3000 und 5000 Soldaten abziehen werde. Zuletzt hatte sich aber anscheinend die Möglichkeit für einen beschleunigten Truppenabzug abgezeichnet.

So weisen Experten darauf hin, dass die jüngsten Erfolge im Kampf gegen Al-Kaida Obama zu einem schnelleren und umfassenderen Abzug bewegen könnte. Das Terrornetz sei nach Ansicht der Regierung in der Region vor allem seit dem Tod Osama bin Ladens so geschwächt, dass viele Soldaten früher heimgeholt werden könnten, schrieb auch die "New York Times“.

Al-Kaida gab zwar nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington die Begründung für den Einmarsch am Hindukusch. Der Hauptgegner sind aber die radikalislamischen Taliban und paschtunische Rebellen.

Ende vergangener Woche hatten die USA erstmals offiziell bestätigt, dass sie Gespräche mit den Taliban mit dem Ziel einer politischen Konfliktlösung führen. Die US-Regierung ging allerdings nicht so weit, von Friedensverhandlungen zu sprechen. Der "Washington Post“ zufolge hatte Obama darauf gehofft, zusammen mit seinem Abzugsplan Fortschritte bei den Kontakten mit den Taliban verkünden zu können. Die im Frühjahr begonnenen Gespräche seien aber nach mehreren Runden festgefahren.

Erst Anfang des Monats hatte der scheidende US-Verteidigungsminister Robert Gates vor einer zu schnellen Reduzierung der Truppenzahl gewarnt. "Ich würde die Kampfstärke so lange wie möglich maximal halten, solange der Prozess (des Abzugs) dauert – das ist doch völlig klar“, sagte er bei einem Besuch in Afghanistan. "Ich würde die Schützen behalten und die Unterstützungstruppen zuerst abziehen.“

Nach einer CNN-Umfrage befürworten dreiviertel der Amerikaner, dass die USA einige oder alle Soldaten aus Afghanistan zurückziehen. Dieser Wert sei seit Mai um zehn Prozentpunkte in die Höhe geschossen. Das sei wohl als Ergebnis des Todes von Osama bin Laden, erklärte der Sender. (dpa)

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