Internationale Politik

Ehemaliger Armeechef Sri Lankas festgenommen

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Sarath Fonseka soll einen Staatsstreich geplant haben. Die USA reagieren besorgt auf die Festnahme des ehemaligen Armeechefs.

Colombo. In Sri Lanka ist der ehemalige Armeechef und Präsidentschaftskandidat Sarath Fonseka festgenommen worden. Fonseka wird angeblich beschuldigt, eine Verschwörung gegen die Regierung angeleitet zu haben.

Er war bei den Wahlen im Januar gegen Präsident Mahinda Rajapakse unterlegen. Im Bürgerkrieg gegen die aufständischen tamilischen Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) hatte er die Regierungstruppen zum Sieg geführt.

Laut Opposition wurde Fonseka von Soldaten aus seinem Büro in der Hauptstadt abgeführt, als er in einem Treffen mit politischen Freunden saß. Als der 59-jährige Ex-General Widerstand geleistet habe, sei er weggezerrt worden.

Trotz der deutlichen Wahl-Niederlage am 26. Januar mit 40 gegen 57 Prozent warf er der Regierung Manipulationen vor und drohte, das Ergebnis vor Gericht anzufechten. Seit dem Wahltag waren bereits Dutzende von Mitarbeitern Fonsekas festgenommen worden.

Bereits am Tag nach der Wahl hatten Soldaten das Hotel in Colombo umstellt, in dem sich Fonseka aufhielt. Die Armee begründete den Einsatz damals mit Hinweisen, dass sich unter dessen Anhängern auch bewaffnete Ex-Militärs befinden sollen. Nach mehreren Stunden konnte Fonseka das Hotel verlassen. Wenige Tage später hatte die Polizei das Büro des früheren Armeechefs nach illegalen Waffen und angeblichen Deserteuren durchsucht.

Kurz vor seiner Festnahme hatte der Fonseka in einem Interview gesagt, bei einer internationalen Untersuchung mutmaßlicher Kriegsverbrechen während der Schlussoffensive der srilankischen Armee gegen die tamilischen Rebellen im vergangenen Jahr eine Aussage machen zu wollen. Die Regierung lehnt eine internationale Untersuchung dagegen strikt ab.

Unter Fonsekas Führung hatte die Armee die Befreiungstigern von Tamil Eelam (LTTE), die für einen eigenen Staat im Norden des Landes kämpften, im Mai 2009 besiegt. Dafür war der Ex-General als Nationalheld gefeiert worden. Bei der Schlussoffensive kamen nach UN-Schätzungen rund 7000 Zivilisten ums Leben. Insgesamt starben in dem 37 Jahre währenden Konflikt bis zu 100.000 Menschen.

Die USA zeigten sich „besorgt“ über die Festnahme Fonsekas. „Wir verfolgen die Situation genau“, sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums am Montag. Das Vorgehen der srilankischen Behörden sei „ungewöhnlich“.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) hatte in der vergangenen Woche das Verhalten der Regierung in Sri Lanka gegenüber Oppositionellen kritisiert. Seit der Wiederwahl von Rajapakse sei der Druck auf Regierungskritiker gewachsen. Nach Angaben der Organisation wurden zahlreiche Journalisten und Anhänger der Opposition festgenommen.

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