Episode 2

Ein schmutziger, radikaler Roman vom Ende der Welt

Abendblatt-Redakteur Thomas Andre (l.) und Literaturhaus-Chef Rainer Moritz.

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Was lesen? Abendblatt-Redakteur Thomas Andre und Literaturhaus-Chef Rainer Moritz über aktuelle Bestseller, die es in sich haben.

Wie entschieden multimedial Sibylle Berg das Kulturformat „Lesung“ angeht, bewies die Wahlschweizerin unlängst bei ihrer Lesung auf Kampnagel. Ihr neuer Roman „GRM. Brainfuck“, der derzeit auf der „Spiegel“-Bestsellerliste steht, wurde dort in einer Art szenischen Lesung vorgestellt. Die Hauptrolle spielte allerdings ein erst 14-jähriger Grime-Künstler. Ein Rapper, der seinen Text so rücksichtslos rausrotzte wie die Schriftstellerin ihre Romansätze: „GRM“ ist ein schmutziger, kühler, radikaler Roman vom Ende der Welt. Abendblatt-Redakteur Thomas Andre und Rainer Moritz, der Leiter des Hamburger Literaturhauses, sprechen in der zweiten Folge des Podcasts „Next Book Please“ über ihn.

„GRM“ ist eine von vier literarischen Neuerscheinungen, derer sich das Duo diesmal annimmt. Mit Anselm Nefts „Die bessere Geschichte“ und Leïla Slimanis „All das zu verlieren“ stehen gleich zwei Titel auf ihrer Liste, die im weitesten Sinne von sexuellen Obsessionen handeln. Anselm Neft greift in seinem Roman die Missbrauchsskandale von reformpädagogischen Einrichtungen auf. Für seinen Romanhelden stellt sich die im Verlaufe der eindringlichen und auf zwei Erzählebenen spielenden Handlung die Frage, ob er selbst zum Täter wird.

Die französische Erfolgsautorin Slimani behandelt in ihrem Debüt, das erst jetzt auf Deutsch erscheint, ebenfalls im Sexuellen gründende Dämonen. Ihre Protagonistin ist das, was man früher eine Nymphomanin nannte. Heute sagt man vielleicht ganz nüchtern „Sexsucht“, so oder so ist die Romanfigur Adèle eine tragische Gestalt, die ihre gesamte Existenz aufs Spiel setzt, um dem Trieb genüge zu tun.

Was den guten Ruf angeht, den ein anerkannter und erfolgreicher Schauspieler derzeit unter Umständen aufs Spiel setzt, muss derzeit dringend über Axel Milberg geredet werden. Der „Tatort“-Darsteller legt dieser Tage mit „Düsternbrook“ sein erstes Buch vor, den Roman seiner Kindheit quasi. Ob dieser gelungen ist und ob Schauspieler überhaupt zwingend unter die Schriftsteller gehen sollten - darum geht es in der aktuellen Folge von Next Book Please.