Entscheider treffen Haider

Was ist einfacher? Aufs Handy verzichten – oder auf Essen?

Leonhard Wilhelmi, Chef der Buchinger-Klinik am Bodensee.

Leonhard Wilhelmi, Chef der Buchinger-Klinik am Bodensee.

Foto: Michael Rauhe

Leonard Wilhelmi ist Chef der Fastenklinik Buchinger: Im Podcast spricht er über Manager und was ihm einst drohte, wenn er hustete.

Hamburg. Er ist der ideale Gesprächspartner für den 31. Dezember: Leonard Wilhelmi (32) hat sich sein ganzes Leben lang mit Fasten beschäftigt. Seit kurzem ist er Chef von Deutschlands bekanntester Fastenklinik Buchinger. In der Reihe „Entscheider treffen Haider“ spricht er über das Leben in einer Fasten-Familie, Intervall-Fasten – und über die Frage, auf was man eher verzichten: auf ein Handy oder auf Essen.


Das sagt Leonard Wilhelmi über . . .

… seinen Urgroßvater Otto Buchinger, den Erfinder des Buchinger-Fastens:

„Mein Urgroßvater hatte eine schwere rheumatische Entzündung, die ihn an den Rollstuhl gefesselt hat. Schulmedizinisch konnte man nichts mehr bewirken, darum fastete er als letzten Versuch, sich zu heilen. Nach 19-tägiger Fastenkur konnte er sich wieder bewegen wie ein junger Rekrut. Daraufhin entwickelte er dass Buchinger-Fasten.“

…40 Tage fasten:

„Minimum dauert eine Fastenkur bei uns zehn Tage. Aber es gibt auch Leute, die haben schon 40 Tage und mehr bei uns gefastet – für gesunde und normalgewichtige Menschen ist das übrigens kein Problem. Der Mensch braucht Phasen, in denen er isst, genauso wie Phasen, in denen er nichts isst. Im Schnitt fasten die Gäste bei uns zwei bis drei Wochen.“

… Top-Manager:

„Wir merken, dass die Manager es genießen, in eine Umgebung zu kommen, in der der Takt vorgegeben und ihnen gesagt wird, was sie machen sollen. Und manche sind auch dabei, die froh sind, einfach mal zwei, drei Tage am Stück schlafen zu können. Wir merken auch, dass viele unsere Gäste in diesem Bereich ein Defizit haben. “

… digitales Fasten:

„Das Telefonieren auf dem Klinikgelände ist verboten. Man darf das Handy nur auf dem Zimmer verwenden, und das ist einer der größten Streitpunkte im Moment. Wenn wir fragen, was die Gäste gern verändern würden, dann geht es oft um den Umgang mit dem Handy. Wir wollen den Gästen aber auch helfen, wieder ein gesundes Verhältnis zu ihrem Handy zu bekommen. Digitales Fasten wird ein großes Thema der Zukunft sein. Die grundsätzliche Frage, ob es einem einfacher fällt, auf Essen oder aufs Handy zu verzichten, stellt sich ja schon jetzt.“

… das Aufwachsen in einer Familie, die vom Fasten lebt:

„Wir Kinder mussten immer aufpassen, ob jemand in der Nähe ist, wenn wir mal gehustet haben. Wenn die Eltern oder Großeltern das mitbekommen haben, wurden wir sofort ins Fasten geschickt. Fasten war bei allen Krankheiten die erste Wahl. Ich war immer erstaunt, wenn Freunde gesagt haben, dass sie bei einer Krankheit erst einmal ganz viel essen müssen, denn bei mir war das immer umgekehrt. Heute faste ich zwei Mal im Jahr, neben der Arbeit: Zwei Wochen im Januar, und dann vor meinem Geburtstag im Juni noch einmal.“

… Intervallfasten:

„Es funktioniert wunderbar und ist eine tolle Methode, um nach den Weihnachtstagen wieder zurück zu kommen zu einem normalen Leben. Allerdings sollte man schon ein paar Tage durchhalten, alle Mahlzeiten innerhalb von acht Stunden zu sich zu nehmen, und dann 16 Stunden nichts zu essen. Das ist die gängigste Methode. Was wir empfehlen, ist, sich dieser 16/8-Regeln allerdings nicht sklavisch zu unterwerfen, sondern auf das Hungergefühl zu achten – das übrigens viele Menschen nicht mehr haben, weil sie einfach nach Uhrzeit essen. Wenn man richtig Hunger hat, signalisiert der Körper damit, dass er wieder bereit für Essen ist. Auf dieses Signal kommt es an.“

… Expansion:

„Wir haben an unseren Standorten eine Größe erreicht, dass wir dort nicht weiter wachsen wollen, und müssen uns die Frage stellen, ob es neue Standorte geben kann. Wir haben sehr viele Gäste aus Hamburg und dem Norden, deshalb ist die Region natürlich für uns interessant. Aber insgesamt verstehen wir uns als europäisches Unternehmen, was man auch daran sieht, dass zeitweise ungefähr die Hälfte unserer Gäste aus dem Ausland ist.