Nordrhein-Westfalen: Grausiger Fund

Wenden: Drei Babyleichen in Kühltruhe entdeckt

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Die Leichen wurden im Keller eines Einfamilienhauses in Wenden (Kreis Olpe) gefunden. Offenbar haben die Kinder bei der Geburt noch gelebt. Die Mutter wurde verhaftet.

Wenden/Olpe. Grausiger Fund: In der Tiefkühltruhe einer Familie in Wenden bei Olpe hat die Polizei drei tote Babys entdeckt. Die Mutter wurde unter dringendem Verdacht der Kindstötung festgenommen. Den Hinweis auf die versteckten Leichen hatten die Fahnder nach Angaben aus Ermittlerkreisen von einem der drei erwachsenen Kinder des Paares erhalten.

Die Ermittler gehen von Verbrechen aus. Die Kinder seien wahrscheinlich lebend zur Welt gekommen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Siegen, Johanns Daheim. Angaben zur Todesursache konnte die Polizei zunächst nicht machen, da vor der Obduktion die Leichen aufgetaut werden mussten.

Es handele sich um eine "ganz normale, gutbürgerliche Familie", sagte der Sprecher der Hagener Mordkommission, Ewald Weinberger. Die Mutter sei 44 Jahre alt, der Mann 47. Drei erwachsene Kinder - zwei Söhne im Alter von 18 und 22 Jahren und eine 24jährige Tochter - wohnten noch zu Hause. Die Familie lebe seit vielen Jahren in Wenden und sei gut in die Dorfgemeinschaft integriert. Die Mutter sei festgenommen worden, befinde sich aber inzwischen in ärztlicher Behandlung, sagte der Sprecher.

Der Bürgermeister der 20 000-Einwohner-Gemeinde Wenden, Peter Brüser, zeigte sich entsetzt über die Ereignisse. "Ich bin jetzt 14 Jahre Bürgermeister, und das ist bestimmt der schlimmste Tag, den ich erleben musste", sagte er. "Wir werden hier lange brauchen, das zu verarbeiten." Die Familie sei gut ins Dorfleben integriert, hilfsbereit und unauffällig gewesen. "Niemand hätte sich im entferntesten vorstellen können, dass da noch etwas anderes ist." Die Menschen im Dorf stünden unter Schock: "Man hat immer wieder gelesen, dass so etwas passiert in der Welt. Aber das war ganz weit weg, und jetzt ist es mitten in der Gemeinschaft", sagte der Bürgermeister.

Eine 47-jährige Nachbarin sagte: "Das ist unfassbar - vor allem, dass keiner gemerkt hat, dass sie schwanger ist."

Spektakuläre Fälle von Kindstötungen durch die eigenen Eltern haben in letzter Zeit immer wieder Schlagzeilen gemacht. Erst im vergangenen Monat wurde die 42-jährige Sabine H. vom Landgericht Frankfurt (Oder) zu 15 Jahren Haft wegen Totschlags durch Unterlassen verurteilt worden, die neun Neugeborene hatte unversorgt sterben lassen.

Im April vergangenen Jahres fand ein 15-Jähriger im Tiefkühlschrank der Wohnung seiner Mutter in Erfurt zwei Babyleichen. Die 35-Jährige gestand, die Kinder nach der Geburt in Müllsäcke verpackt in die Tiefkühltruhe gelegt zu haben. Das Landgericht Erfurt verurteilte sie wegen zweifachen Totschlags zu zwölf Jahren Haft.

Im Januar 2007 wurden im thüringischen Thörey bei Abrissarbeiten die Überreste von drei Babyleichen in der Zwischendecke einer Garage entdeckt. Eine 21-jährige Frau aus Erfurt gestand, mit 16 Jahren einen Jungen und später zwei weitere Kinder kurz nach der Geburt dort versteckt zu haben.

Im März 2006 wurden in einem Einfamilienhaus in Neuendorf am Damm in Sachsen-Anhalt drei stark verweste Säuglingsleichen werden gefunden. Die geständige Mutter wurde in der Psychiatrie untergebracht.

Im Juni 1999 wurden in der Tiefkühltruhe einer Familie im sächsischen Mühltroff die Leichen von zwei Jungen und einem Mädchen gefunden, die zwischen 1993 und 1999 jeweils kurz nach der Geburt von der Mutter erstickt worden waren.

( ap )