Bhuttos Beisetzung: Wut und Tränen in Pakistan

Unruhen zur Trauerfeier

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Hunderttausende haben der ermordeten Oppositionsführerin Benazir Bhutto die letzte Ehre erwiesen. Das Terrornetzwerk al-Qaida bekannte sich zu dem Anschlag vom Donnerstag. Pakistans Regierung will offenbar doch an den Parlamentswahlen im Januar festhalten.

Islamabad. Die Leiche der 54-Jährigen lag in einem schlichten Holzsarg, der am Familiensitz im Dorf Garhi Khuda Bakhsh an der Seite der sterblichen Überreste ihres Vaters beigesetzt werden sollte.

Auf einer Website bekannte sich das islamistische Terrornetzwerk al-Qaida zu dem Attentat.

Aus Protest gegen Bhuttos Ermordung gingen im Nordwesten des Landes rund 4000 ihrer Anhänger auf die Straße. Das Büro einer regierungsnahen Partei wurde gestürmt. Verletzt wurde aber niemand. Schon direkt nach dem Attentat kam es in ganz Pakistan zu schweren Unruhen, bei denen mindestens zehn Menschen ums Leben kamen. Autos und Geschäfte wurden angezündet. In Sprechchören wurde Staatschef Pervez Musharraf von Anhängern Bhuttos als Mörder beschimpft. Dieser rief die Bevölkerung zur Ruhe auf und ordnete eine dreitägige Staatstrauer an.

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Die Regierung will offenbar trotz Bhuttos Ermordung an den für den 8. Januar geplanten Wahlen festhalten. Übergangsministerpräsident Mohammedmian Soomro erklärte, es gebe derzeit keine Pläne die Wahl zu verschieben. Eine solche Entscheidung werde in Abstimmung mit allen politischen Parteien getroffen. "Im Moment bleibt es wie geplant bei den Wahlen", sagte Soomro auf einer Pressekonferenz. Er sei bereit, mit allen Parteien zu sprechen.

Der Oppositionspolitiker Nawaz Sharif von der Muslimliga (PML), wie Bhutto ein ehemaliger Ministerpräsident, rief schon nach dem Attentat am Donnerstag zum Boykott der Parlamentswahl auf und forderte Musharraf zum sofortigen Rücktritt auf.

Im indischen Teil von Kaschmir kam es zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Hunderten steinewerfenden Demonstranten, die gegen Bhuttos Ermordung protestierten. Die Polizei setzte Tränengas ein. Geschäfte und Unternehmen in dem vorwiegend von Muslimen bewohnten Kaschmir folgten dem Aufruf zu einem Generalstreik und blieben geschlossen. Die Polizei wurde in höchste Alarmbereitschaft versetzt.

Die US-Bundespolizei FBI und die Behörde für Heimatsicherheit schrieben in einer Mitteilung an die Strafverfolgungsbehörden, das Terrornetzwerk al-Qaida habe sich laut islamistischen Web-Seiten zu dem Selbstmordanschlag auf Bhutto bekannt. Die Nummer zwei der Organisation, Ajman al Sawahri, habe das Attentat demnach geplant. Dies erfuhr die Nachrichtenagentur AP am Donnerstag aus Polizeikreisen. FBI-Sprecher Richard Kolko sagte, die Angaben auf den Webseiten würden geheimdienstlich geprüft. Über ihre Stichhaltigkeit könne noch nichts gesagt werden.

Bhutto war als Politikerin und Befürworterin von Säkularismus und Demokratie im Fadenkreuz praktisch aller militanten islamischen Gruppen in Pakistan. Dass sie in der Garnisonsstadt Rawalpindi, dem Sitz des Militär- und Geheimdienstapparats, dem Attentat zum Opfer fiel, rückte auch die Regierung ins Zwielicht. Sicherheitsexperten äußerten sich verwundert, dass es dem Attentäter gelingen konnte, bewaffnet und mit Sprengstoff versehen durch die Polizeiabsperrung zu schlüpfen. Die pakistanische Regierung kündigte eine offizielle Untersuchung des Mordes an der Oppositionsführerin an.

( ap, dpa, abendblatt.de )