AKW: Analyse der Störfälle

Atomkraftwerk Brunsbüttel wieder am Netz

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Krümmel bleibt abgeschaltet. Untersuchung des ausgebrannten Trafos beginnt am Montag.

Kiel/Geesthacht. Das Atomkraftwerk Brunsbüttel ist drei Tage nach Kurzschluss, Schwelbrand und Schnellabschaltung am Sonntagnachmittag wieder ans Netz gegangen. Das bestätigte der Sprecher von Vattenfall Europe, Ivo Banek. Die Vorbereitungen dazu liefen bereits seit Sonnabendnachmittag, nachdem die für Reaktorsicherheit zuständige Kieler Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) die Genehmigung dazu erteilt hatte. Es hätten nach Reparaturarbeiten keine Sicherheitsbedenken bestanden, sagte die Ministerin. Das Aromkraftwerk Krümmel bleibt dagegen weiter abgeschaltet.

Das ebenfalls am Donnerstag nach einem Brand in einem Transformatorengebäude abgeschaltete Atomkraftwerk in Krümmel 30 Kilometer südöstlich von Hamburg bleibt dagegen außer Betrieb.

"Die Schnellabschaltungen der Kernkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel haben ordnungsgemäß funktioniert, ohne dass eine Gefährdung für Menschen oder die Umwelt bestanden hätte. Das ist zunächst einmal das Wichtigste", sagte Trauernicht nach Gesprächen in Kiel. Die Ministerin hatte sich von Vattenfall Europe sowie Gutachtern des TÜV und des Germanischen Lloyd über den Stand der Ermittlungen unterrichten lassen. "Die Sicherheit ist gegeben, und auch aus rechtlichen Gründen spricht somit nichts mehr gegen das Wiederanfahren des Kernkraftwerks Brunsbüttel. Krümmel bleibt jedoch bis auf weiteres vom Netz", betonte die Ministerin.

Die Analyse der Störfälle habe aber Fragen im Zusammenhang mit dem Zustand der Stromnetze ergeben. "Es gab Probleme, die eigentlich nicht auftreten sollten." Sie habe daher einen Brief mit entsprechenden Hinweisen an Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) geschrieben. "Ich habe ihn aufgefordert, dieses Thema beim anstehenden Energiegipfel am kommenden Dienstag anzusprechen", sagte Trauernicht. "Außerdem erwarte ich vom Netzbetreiber E.on eine Stellungnahme zu den aufgetretenen Problemen."

Die Untersuchung des ausgebrannten Transformatorenhauses auf dem Gelände des Atomkraftwerkes Krümmel südöstlich von Hamburg soll am Montag beginnen. Noch am Sonntag waren Feuerwehrleute damit beschäftigt, die Überreste der Anlage mit Wasser zu kühlen, bestätigte der Sprecher des Betreibers, Ivo Banek. Gutachter sollen klären, wie es am Donnerstag zu dem Feuer kommen konnte, in dessen Folge der 1400 Megawatt-Reaktor bei einer automatische Notabschaltung heruntergefahren wurde. Am Freitag hatte ein Sachverständiger im Schutzanzug einen kurzen Blick in das Gebäude geworfen und starke Zerstörungen an dem Transformator festgestellt. Ersten Erkenntnissen zufolge hatte sich Öl entzündet, mit dem das Gerät gekühlt wird. Die für Reaktorsicherheit zuständige Kieler Sozialministerium Gitta Trauernicht (SPD) schloss ein schnelles Wiederanfahren aus.

Verantwortlich für die Abschaltung in Brunsbüttel und den darauf folgenden kleinen Schwelbrand an einer Turbine sind den Ermittlungen zufolge Arbeiten an einem Bauteil außerhalb des eigentlichen Kraftwerks. Nach Breuers Angaben wurden an der Stromübergabestelle vom Kraftwerk ins Netz Arbeiten ausgeführt. "Beim Einschalten eines Wandlers kam es zum Kurzschluss", sagte Banek. Das Kraftwerk wurde vom Netz genommen und heruntergefahren.

Durch den plötzlichen Leistungsverlust kam es nach Breuers Angaben in einer Turbine zu Problemen, die den Schwelbrand auslösten. Dieser sei aber schnell mit Handfeuerlöschern erstickt worden. Entzündet hatte sich nach Baneks Angaben Öl, das wegen einer nicht ganz fest angezogenen Schraube ausgetreten war. Außerdem hätten sich Risse an Abdeckblechen gebildet.

Unterdessen schickte die Umweltschutzorganisation Greenpeace ihr Schiff "Beluga II" nach Krümmel. Seit Sonnabendmittag ankert das Schiff auf der Elbe in Sichtweite des Reaktors. Das Boot soll bis zum Ende des Berliner Energiegipfels mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag als Mahnwache dort bleiben, teilte Greenpeace mit. Zwischen den Masten hängt ein Banner mit der Aufschrift: "Frau Merkel: Wir brauchen keine gefährliche Atomkraft!".

( abendblatt.de )