Naturkatastrophe

Zahl der Toten nach Erdbeben in Italien auf 247 gestiegen

Die Rettungskräfte suchten im italienischen Erdbebengebiet wie hier in der Gemeinde Amatrice auch in der Nacht weiter nach Überlebenden.

Die Rettungskräfte suchten im italienischen Erdbebengebiet wie hier in der Gemeinde Amatrice auch in der Nacht weiter nach Überlebenden.

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Helfer im italienischen Erdbebengebiet suchen weiter nach Überlebenden. Viele werden noch vermisst. Mindestens 267 Menschen starben.

Rom.  Mehr als 240 Tote sind gefunden worden, aber noch immer ist das ganze Ausmaß der Erdbeben-Katastrophe in Mittelitalien nicht ganz klar. Mindestens 241 Menschen kamen dabei ums Leben. Der Zivilschutz hatte nach dem folgenschweren Beben in einer vorläufigen Bilanz zwischenzeitlich von mindestens 267 Toten gesprochen. Später wurde die Zahl nach unten korrigiert.

Die Zahl werde aber vermutlich weiter steigen, sagte der Chef der Behörde, Fabrizio Curcio, am Donnerstagmorgen. Mehr als 260 Menschen wurden verletzt. Die Retter suchten auch in der Nacht weiter nach Überlebenden in den zerstörten Gemeinden in Mittelitalien. In Pescara del Tronto retteten sie ein zehnjähriges Mädchen, das etwa 17 Stunden lang unter den Trümmern gelegen hatte. Viele Menschen würden aber noch vermisst, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa.

Hunderte Nachbeben erschweren Bergungsarbeiten

Das Hauptbeben der Stärke 6,2 hatte sich in der Nacht zum Mittwoch in den Regionen Latium, Umbrien und den Marken ereignet. Besonders stark getroffen wurden die Bergorte Amatrice, Accumoli, Pescara del Tronto und Arquata del Tronto. Seither gab es nach Behördenangaben etwa 460 Nachbeben, was die Rettung erschwerte. Teilweise seien sie so stark gewesen, dass in den betroffenen Gebieten erneut Gebäude gewankt hätten. Es handelt sich um die schwersten Erdstöße seit Jahrzehnten in Italien. An vielen öffentlichen Gebäuden die Fahnen auf halbmast gesetzt. Die Regierung in Rom hatte dies als Zeichen der Trauer und zum Gedenken landesweit angeordnet.

In manchen Familien mehrere Tote

Sieben Jahre nach dem schweren Erdbeben in dem 30 Kilometer Luftlinie entfernten L’Aquila wurden in der Berg-Region ganze Dörfer zerstört. Auch im etwa 100 Kilometer Luftlinie entfernten Rom wackelte der Boden. Italien ist hoch erdbebengefährdet, weil unter dem Apennin die afrikanische und die eurasische Platte aufeinanderstoßen.

Unter den Opfern waren viele Kinder, in manchen Familien gab es mehrere Tote. Aber es gab auch gute Nachrichten: So wurde am frühen Abend in Pescara del Tronto ein zehnjähriges Mädchen nach fast 16 Stunden aus den Trümmern ihres Hauses gerettet. Hunde hätten sie aufgespürt, hieß es. „Als wir sie lebend gefunden haben, war die Freude riesengroß“, sagte Feuerwehrsprecher Danilo Dionisi.

Notstand soll ausgerufen werden

Regierungschef Matteo Renzi hatte die Katastrophen-Region am Abend besucht. 368 Verletzte seien seit dem Morgen aus der Gegend von Amatrice und Accumoli weggebracht worden, erklärte er. Italien stehe solidarisch zusammen, um die großen Herausforderungen zu meistern. Für Donnerstag hatte Renzi eine Kabinettssitzung in Rom angekündigt, bei der die Hilfe für den Wiederaufbau besprochen werden soll. In der Region soll der Notstand ausgerufen werden.

Wie viele Menschen noch verschüttet sind, war unklar. In Amatrice sei eines der Symbole der Stadt, das historische Hotel Roma, in sich zusammengestürzt. Zwei Menschen seien tot aus den Resten des Gebäudes geborgen worden – nach Angaben des Bürgermeisters befanden sich zum Zeitpunkt des Bebens aber 70 Menschen in dem Hotel.

Alte Häuser nicht erdbebensicher

Die Erdstöße rissen die Menschen in der Nacht auf Mittwoch aus dem Schlaf. Um 3.35 Uhr schwankten im Dreieck der Regionen Umbrien, Latium und den Marken die Wände, Häuser stürzten in sich zusammen. Auch im etwa 100 Kilometer Luftlinie entfernten Rom wackelte der Boden. Experten wollten dort das Kolosseum auf Schäden untersuchen.

Das Deutsche Geoforschungszentrum in Potsdam gab das Hauptbeben mit der Stärke 6,2 an. Das sei für sich genommen nicht extrem stark, zitierte die Ansa den Wissenschaftler Massimo Cocco vom Nationalen Institut für Geophysik und Vulkanologie. Eines der Hauptprobleme sei aber die Bausubstanz. Die alten Häuser sind nicht erdbebensicher.

„Hier gibt es nichts mehr“

Die besonders betroffenen Orte liegen in der Nähe des Nationalparks Gran Sasso und Monti della Laga. „Hier gibt es nichts mehr. Nur Trümmer. Es gleicht einer Bombardierung“, hatte Parlamentspräsidentin Laura Boldrini bei einem Besuch in dem vom Erdbeben zerstörten Ort Pescara del Tronto in den Marken gesagt. Straßen waren blockiert, vielerorts fiel der Strom aus. Viele haben alles verloren.

Besonders stark sind die Verwüstungen auch in der 2600-Einwohner-Gemeinde Amatrice in der Region Latium. „Die Hälfte des Ortes gibt es nicht mehr“, sagte Bürgermeister Sergio Pirozzi dem Sender RaiNews24. Auch die Grundschule stürzte zur Hälfte ein. Ein Einwohner des Ortes sagte dem Sender: „Alles ist kaputt.“ Der Ort hatte den Ruf als eines der schönsten Dörfer in Italien. Nun liegt er in Schutt und Trümmern.

Identifizierung der Opfer läuft noch

Unter den Opfern sind auch Feriengäste. Die Region ist vor allem bei Italienern als Urlaubsgebiet beliebt. Die Ausmaß der menschlichen Schicksale war noch nicht vollends absehbar. Helfer arbeiteten noch an der Identifizierung der Opfer. Informationen, ob auch Deutsche betroffen sind, gab es zunächst nicht. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts sagte, die deutsche Botschaft sei eingeschaltet und stehe in engem und ständigem Kontakt mit den italienischen Behörden.

Für Hunderte Menschen ohne Dach über dem Kopf waren Zelte aufgebaut worden, Hunderte weitere kamen in Sporthallen unter. Im Sportzentrum von Amatrice wurden Liegen aufgestellt. Allein in der Region Marken wurden laut Ansa rund 1500 Menschen obdachlos.

Italien immer wieder von Beben betroffen

Italien wird auf Grund seiner geografischen Lage immer wieder von Erdbeben erschüttert. 2009 hatte ein Beben die mittelitalienische Stadt L’Aquila unweit der jetzigen Erdbebenregion verwüstet, mehr als 300 Menschen starben. Die Häuser in der Region sind teils jahrhundertealt; bei einem solchen Beben fallen sie rasch in sich zusammen.

Die deutsche Bundesregierung bot Italien die Hilfe von Experten des Technischen Hilfswerks (THW) an. Nun müsse die italienische Regierung entscheiden, ob sie das Angebot annehme, teilte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) mit. Beim bayerischen Innenministerium hieß es, Italien habe keine internationale Hilfe erbeten. Helfer wären wegen des kürzeren Weges vorzugsweise von Bayern geschickt worden.

Merkel und Obama kondolieren

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) drückte in einem Kondolenztelegramm ihr Mitgefühl aus, auch aus anderen Ländern kamen Hilfsangebote und Beileidsbekundungen. US-Präsident Barack Obama kondolierte Italiens Präsident Sergio Mattarella telefonisch und bot nach Angaben eines Sprechers ebenfalls Hilfe bei Rettungs- und Wiederaufbaumaßnahmen an. (rtr/dpa)