Kommentar

Es gibt mehr als genug Corona-Hilfen

Melanie Wassink ist Redakteurin im Wirtschafts-Ressort beim Hamburger Abendblatt.

Melanie Wassink ist Redakteurin im Wirtschafts-Ressort beim Hamburger Abendblatt.

Foto: Andreas Laible

Das Problem vieler Unternehmer sind nicht die fehlenden Zuschüsse sondern die stockende Auszahlung.

Hamburg. Viele Unternehmen aus Hamburg beklagen, die Corona-Hilfen kämen nicht bei ihnen an. Die Regierung verspreche zwar, niemand müsse wegen wirtschaftlicher Sorgen schlecht schlafen. Die Realität sehe aber anders aus, kritisieren etliche Kaufleute.

Das Geld komme zu spät, um Rechnungen zu begleichen, viele Firmen seien durch hohe Messlatten von der Förderung ausgeschlossen. Der Handel sieht ganze Innenstädte aussterben. Und Reisebüros monieren, die Ausweisung von Urlaubszielen als Risikogebiete beschnitte ihr Geschäft mehr, als es die Hilfen ausgleichen könnten.

Totengräber ganzer Wirtschaftszweige

Doch ein Blick auf die Details zeigt: Je intensiver die Verbände in Berlin in den vergangenen Monaten Lobbyarbeit betrieben und Druck ausübten, desto umfangreicher stellen sich die Hilfsangebote mittlerweile dar. Die Politik ist in der Demokratie angewiesen auf die Stimmen der Wähler. In Berlin ist daher niemand erpicht darauf, als Totengräber ganzer Wirtschaftszweige in die Geschichte einzugehen.

Lesen Sie auch:

Wir leben im Jetzt, das zählt im Jahr der Bundestagswahl mehr als der wachsende Schuldenberg, den später die anonyme Masse der Steuerzahler abtragen muss. Die Folge ist, dass über etliche Branchen – etwa der Gastronomie – der Geldhahn ziemlich weit aufgedreht wird.

Das Geld fließt ausreichend

Selbst Unternehmerlöhne sind inzwischen in den meisten Fördertöpfen enthalten, obgleich diese nie zur Existenzsicherung vorgesehen, sondern immer nur dazu gedacht waren, das Überleben der Firmen zu sichern. Das Geld fließt ausreichend. Doch angesichts des selbst Steuerberater überfordernden Subventionsdschungels kommt es tatsächlich zuweilen ziemlich spät bei den Betroffenen an. Handlungsbedarf besteht jetzt in den Behörden, die Anträge schnell zu bearbeiten und mehr Personal einzusetzen, damit die bewilligten Summen nicht am Ende auf die Konten der Insolvenzverwalter überwiesen werden.