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Feiern wie am Ballermann? Auch Jüngere verwundbar

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Elisabeth Jessen
Elisabeth Jessen ist stellvertretende Leiterin des Hamburg-Ressorts.

Elisabeth Jessen ist stellvertretende Leiterin des Hamburg-Ressorts.

Foto: HA / Andreas Laible

Viele junge Menschen fühlen sich unverwundbar und missachten die Corona-Regeln – doch auch sie können unter Spätfolgen leiden.

Hamburg. Ein lauer Abend, der Alkohol schmeckt, die Runde ist gesellig, dazu der Blick auf die aktuell niedrigen Zahlen der Corona-Neuinfektionen – da könnte man schon auf die Idee kommen, dass langsam wieder Normalität einkehrt. Aber das trügt. Nicht zum ersten Mal in diesem Sommer musste die Polizei am Wochenende einschreiten, weil etliche Hamburger in der Hitze der Nacht alle Abstandsregeln und Vorsichtsmaßnahmen sausen ließen.

Mit der Großen Freiheit in der gleichnamigen Straße auf dem Kiez war es gleich zweimal in nur einer Nacht stundenweise vorbei, weil sich das junge Feiervolk dicht an dicht drängte. Dabei blickten wir erst vor wenigen Tagen ungläubig zum Ballermann auf Mallorca, wo deutsche Party-Urlauber alle Vorsicht fahren ließen und rege Atemluft und Körperflüssigkeiten austauschten, wie es hieß. Die Inselverwaltung reagierte und ließ die Partymeile schließen – für mehrere Monate.

Corona: Viele "Genesene" kämpfen mit neurologischen Problemen

Einen weiteren Lockdown der ohnehin noch eingeschränkten Gastronomie kann sich für das Schanzenviertel und den Kiez niemand ernsthaft wünschen. Und deshalb liegt es in der Verantwortung der Besucher, sich angemessen zu verhalten, denn Sars-CoV-2 ist nicht weg, auch wenn die Zahlen in Hamburg aktuell zum Glück sehr niedrig sind.

Viele junge Menschen fühlen sich unverwundbar – sie sollten sich lieber die Statistiken ansehen. Es sind beileibe nicht nur betagte Menschen mit Vorerkrankungen, denen das Coronavirus zusetzt, sondern auch ganz viele junge. Fast täglich gibt es neue Erkenntnisse, dass nach einer Covid-19-Erkrankung „genesen“ leider nicht gleichzusetzen ist mit „gesund“.

Viele, auch junge Infizierte, leiden nachhaltig an neurologischen Problemen. Sie kämpfen mit Gedächtnisstörungen, Konzentrationsschwächen, Kopfschmerzen oder großer Erschöpfung. Covid-19 ist nicht so schnell ausgestanden wie ein Kater nach ausgelassenem Feiern.

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