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Landtagswahl im Norden: Erinnerung an Bremen

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Matthias Iken ist stellvertretender Chefredakteur des Hamburger Abendblatts.

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Foto: Andreas Laible

Alle wollen mit Daniel Günther (CDU) in Schleswig-Holstein regieren – vor allem die Grünen.

Hamburg. Politik ist ein hartes Geschäft, aber manchmal kann es auch wunderbar sein. Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) darf sich nach seinem fulminanten Sieg bei der Landtagswahl entspannt zurücklehnen und das Liebeswerben der kleineren Parteien genießen. Theoretisch ist in Kiel nun ein Bündnis der Union mit vier unterschiedlichen Parteien möglich, wahrscheinlich aber ist die Weiterarbeit mit einem Partner aus der erfolgreichen Jamaika-Koalition.

Während die FDP vor allem auf inhaltliche Gemeinsamkeiten setzt und vor einer „Verhinderungskoalition“ warnt, werfen sich die Grünen dem Wahlsieger an die Brust.

Habeck schwärmt von Schwarz-Grün

Sie seien neben der CDU die eigentlichen Wahlsieger – und ein schwarz-grünes Bündnis könne Polarisierung und Gräben überwinden. Wirtschaftsminister Habeck schwärmte geradezu, Schwarz-Grün sei eine Erfolgsgeschichte, weil diese Regierung über das eigene Lager hinausgreife. Darin steckt viel Wahres. Doch in einem anderen Moment hat fast gleichlaut so die Union argumentiert – und stieß bei den Grünen auf Granit.

Bei der Bürgerschaftswahl in Bremen war die CDU unter dem Quereinsteiger Carsten Meyer-Heder 2019 auf 26,7 Prozent gekommen und hatte die „ewige SPD“ auf Rang 2 verdrängt. Zunächst sah es nach einem Regierungswechsel an der Weser aus. Die FDP machte sich für Jamaika stark und sah den Regierungsauftrag bei der CDU. Meyer-Heder betonte, es müsse ein Bündnis der drei Wahlsieger geben.

Wird es Schleswig-Holstein wie Bremen ergehen?

Grüne und Union in Bremen könnten soziale Marktwirtschaft mit moderner Umwelt- und Klimapolitik verknüpfen, ein Vorbild für die Republik werden. Doch sein Werben verhallte ungehört. Die Grünen entschieden sich, lieber mit Linken und SPD eine Koalition zu bilden – und wieder einen Sozialdemokraten zum Bürgermeister zu wählen. Meyer-Heder bliebt enttäuscht zurück – als Wahlsieger und Verlierer zugleich.

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