Meinung
Nachspiel

Staatshilfen sollten beim HSV für Demut sorgen

Dem HSV entgingen in der Corona-Pandemie Millionen an Zuschauereinnahmen.

Dem HSV entgingen in der Corona-Pandemie Millionen an Zuschauereinnahmen.

Foto: Valeria Witters / WITTERS

Es ist das gute Recht des Clubs, Überbrückungsgelder zu beantragen. Doch er hat auch eine moralische Verpflichtung. Ein Kommentar.

Wer sich vor Kurzem heftigst darüber echauffierte, dass die Stadt dem HSV das Stadiongelände für 23,5 Millionen Euro abgekauft hat, für den dürfte die Nachricht, dass nun auch noch der Staat dem Zweitligisten Corona-Hilfen in Höhe von rund zehn Millionen Euro bewilligte, gerade recht kommen. Die These der Empörten: Nun zahlt der Steuerzahler den Millionarios in kurzen Hosen auch noch die Gehälter. Deutschland, gute Nacht!

Wer aber fernab aller Polemik ein rudimentäres Interesse an den Fakten hat, der könnte überrascht werden. Denn tatsächlich ist es nicht nur das gute Recht des HSV, die Überbrückungshilfen zu beantragen. Es ist durch den Corona-bedingten Umsatzeinbruch sogar seine Pflicht. Der HSV ist zwar ein Fußballclub, aber eben auch ein mittelständisches Unternehmen mit rund 300 Beschäftigten, die erwarten dürfen, dass jede unternehmerische Entscheidung im Sinne des HSV getroffen wird.

HSV muss sich für Corona-Staatshilfe nicht entschuldigen, aber …

Es muss sich beim HSV also niemand dafür entschuldigen, dass man wie Hunderttausende anderer Unternehmen Corona-Hilfen in Anspruch genommen hat. Allerdings darf man vorsichtig den moralischen Zeigefinger mit der Erwartungshaltung erheben, dass die Verantwortlichen des HSV mit den Staatshilfen besser umgehen als mit den Finanzen in der Vergangenheit.

Gleich drei Spieler erhielten in diesem Sommer eine Abfindung. Das hat natürlich nichts mit den Corona-Millionen zu tun. Aber wenn die bewilligten Gelder bei den Verantwortlichen gleichzeitig für ein bisschen Demut sorgen würden, dann wäre das sicher nicht die schlechteste Nebenwirkung.

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