Meinung
Dohnanyi am Freitag

"Steuererhöhung wäre Gift"

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Matthias Iken
Hamburgs ehemaliger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi und Matthias Iken, stellvertretender Chefredakteur des Hamburger Abendblatts.

Hamburgs ehemaliger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi und Matthias Iken, stellvertretender Chefredakteur des Hamburger Abendblatts.

Foto: Sven Simon/Andreas Laible / imago images/HA

Hamburgs Altbürgermeister im Gespräch. Heute über die finanziellen Folgen von Corona.

Hamburg. Matthias Iken: Die Kosten zur Linderung der Corona-Krise steigen weiter. Der Bundestag hat einen Haushalt über 500 Milliarden Euro verabschiedet, der zu 40 Prozent über Schulden finanziert wird. Wer soll das bezahlen?

Klaus von Dohnanyi: Es ist eine wichtige historische Erfahrung, dass in Zeiten eines schweren Wirtschaftseinbruchs der Staat mit zusätzlichem Geld eingreifen sollte, um die Wirtschaft zu stabilisieren. Wenn dabei, wie jetzt, Schulden gemacht werden müssen, ist das im Prinzip richtig. Deutschland hatte wegen der oft zu Unrecht kritisierten Politik der „schwarzen Null“ genug Spielraum. Unser Steuersystem muss aber später gerechter gestaltet werden, um den Schuldenabbau gerechter zu machen.

Iken: Sind Steuererhöhungen also unumgänglich?

Dohnanyi: Später kann man das diskutieren, aber zunächst können die staatlichen Hilfen nur wirksam bleiben, wenn das Geld im Umlauf bleibt und als Kaufkraft wirkt. Insofern wären Steuerer­höhungen jetzt Gift. Besonders unsere Unternehmenssteuern, die ohnehin vergleichsweise zu hoch sind, müssen jetzt eher runter als rauf!

Iken: Was spricht gegen eine Vermögensabgabe?

Dohnanyi: Solche Abgaben wären sozial gewiss wünschenswert, schon weil die Pandemie die sich seit Langem entwickelnde Ungleichheit der Gesellschaft verstärkt hat. Aber eine solche Abgabe ist sehr schwer vernünftig zu gestalten. Zudem wäre jetzt der falsche Augenblick. Aber: Wer einen wirklich praktikablen Vorschlag für die Zukunft hat, sollte gehört werden. Vielleicht könnte man einen Wettbewerb ausschreiben?

Iken: Droht eine Inflation?

Dohnanyi: Das ist sehr unwahrscheinlich. Inflationen entwickeln sich, wenn es mehr Geld als Waren gibt – und das droht wirklich nicht. Im Gegenteil, es wird an Kaufkraft fehlen. Auch große Lohnerhöhungen sind unwahrscheinlich – eher wird wegen steigender Arbeits­losigkeit der „Lohndruck“ nachlassen. Meinem Eindruck nach wird es in den Jahren nach Corona für uns nur ein Problem geben: Können wir genug gut bezahlte Arbeitsplätze hinüberretten? Das wird die wichtigste Herausforderung für die Politik!

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