Meinung
Kommentar

Fußball: Diskussionen ja, Hetze nein danke

Rainer Grünberg ist Chefreporter Sport beim Hamburger Abendblatt.

Rainer Grünberg ist Chefreporter Sport beim Hamburger Abendblatt.

Foto: Mark Sandten / HA

Fortschreitende Kommerzialisierung: Aufstand der Anständigen ist auch im Fußball gefordert.

Es war ein denkwürdiges Wochenende in der Fußball-Bundesliga, keines, das der Liga zu Ruhm gereichte, vielmehr die Ohnmacht der Vereine vor Teilen ihrer Anhänger demonstrierte. Drei Spiele standen vor dem Abbruch, weil Ultragruppierungen Hoffenheims Mehrheitsgesellschafter Dietmar Hopp ins Fadenkreuz nahmen, ihn auf Spruchbändern übelst beleidigten.

Die aktuellen Vorkommnisse sind der vorläufige Höhepunkt der Auseinandersetzungen bestimmter Fans mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB), der die Dortmunder Anhänger nach wiederholten Vorfällen vom Besuch der Auswärtsspiele in Sinsheim ausschloss. Kollektivstrafen aber, deshalb die bundesweite Solidarisierung der Szene, seien nicht akzeptabel und vom DFB abgeschafft worden.

Wem gehört der Fußball? Den Clubs? Dem DFB?

Im Hintergrund geht es um mehr. Wem gehört der Fußball? Den Clubs? Dem DFB? Wie viel Macht wird den Fans gestattet? Bis zu welchem Grad ist die fortschreitende Kommerzialisierung hinzunehmen? Diese Diskussion muss geführt werden, gern leidenschaftlich, menschenverachtende Hetze hat in dieser Debatte und auch anderswo nichts zu suchen.

Sie ist allerdings in dieser Republik alltäglich geworden, im Internet ohnehin, immer öfter auch im öffentlichen Raum. Es ist ein grassierendes Virus, anfangs als Meinungsfreiheit abgetan und unterschätzt, das die Gesellschaft zutiefst zersetzt. Der gegenseitige Respekt darf nie verloren gehen.

Der Aufstand der Anständigen

Die Politik hat diese Art Streitkultur zu lange hingenommen, bekommt jetzt die Auswirkungen – Hetze, Rassismus, Antisemitismus – kaum eingefangen. Ohne zivilisiertes, achtungsvolles Miteinander ist ein Zusammenleben indes undenkbar. Das sollte auch jedem Fußballfan bewusst sein. In Münster hatten Zuschauer vor Kurzem einen Rassisten dem Ordnungsdienst angezeigt, ihn mit „Nazi raus“-Rufen aus dem Stadion gebrüllt. Das war ein Anfang – der viel geforderte Aufstand der Anständigen.