Meinung
In eigener Sache

Warum die ITB nicht in der gesamten Zeitung abgesagt war

HA Mitarbeiter ; Bernd Roettger ;

HA Mitarbeiter ; Bernd Roettger ;

Foto: Andreas Laible / HA / A.Laible

Immer montags gehen wir an dieser Stelle auf Kritik an der Berichterstattung, auf Wünsche, Fragen und Debatten ein.

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freunde des Hamburger Abendblatts,

immer montags beschäftigen wir uns an dieser Stelle mit Ihren Wünschen oder Ihrer Kritik. Wir wollen auch über die großen Leser(brief)-Debatten sprechen und unseren Leserinnen und Lesern Einblicke­ in unsere Arbeit geben, sowohl in die Art, wie wir recherchieren, als auch, wie das Hamburger Abendblatt gemacht wird. Wenn Sie Anregungen haben, her damit, eine E-Mail reicht. Die Adresse der Redaktion lautet: chefredaktion­@abendblatt.de.

Etliche Leserinnen und Leser haben sich am Wochenende gewundert: Auf der Titelseite berichtete das Hamburger Abendblatt, dass die Internationale Tourismus Börse (ITB) wegen des Coronavirus abgesagt wird. Auf Seite 61 im Reiseteil hingegen konnten die Abendblatt-Leser einen großen Bericht darüber lesen, welche Trends auf der Ausstellung zu sehen sein werden – und wie das Coronavirus die weltgrößte Tourismus-Messe prägen wird.

Widersprüchliche Berichte im Hamburger Abendblatt

Zwei so widersprüchliche Berichte in einer Zeitung – wie kann so etwas passieren? Der Hintergrund dieser widersprüchlichen Berichte ist einfach erklärt: Die aktuell in der Nacht gedruckte Zeitung kann – bedingt durch die zur Verfügung stehenden Druckmaschinen – nur einen bestimmten Umfang haben.

Das sind bei den Ausgaben der Wochentage maximal 32 Seiten und für die Sonnabend-Ausgabe maximal 48 Seiten. Alles, was darüber hinausgeht, muss in einem sogenannten Vorprodukt produziert werden. Das sind Zeitungsteile, die in der Regel nicht von der Aktualität des täglichen Nachrichtengeschehens betroffen sind.

So werden die Zeitungsteile (wir sprechen hier auch von Zeitungs­büchern) mit den Rubriken „Beruf Karriere“, „Wohnen & Leben“ und „Reisen & Entdecken“ jeweils schon am Freitagmorgen von 6 Uhr an für die jeweilige Sonnabend-Ausgabe gedruckt. Diese Vorprodukte werden dann aus den Druckmaschinen kommend auf riesige Rollenträger aufgewickelt. Die Wickelrollen sind mit den gedruckten Zeitungen mehr als drei Meter hoch.

Eine dieser riesigen Rollen kann bis zu 40.000 Exemplare eines Vorproduktes enthalten. In der Druckerei in Ahrensburg, in der das Hamburger Abendblatt gedruckt wird, werden Vorprodukte in einem riesigen Lager bis zur Weiterverarbeitung aufbewahrt.

Vorprodukt maschinell in Zeitung gelegt

In der Nacht werden diese Vorprodukte­ dann wieder von diesen Wickelrollen­ heruntergespult und maschinell in die aktuelle Zeitung eingelegt. Das erfolgt in großer Geschwindigkeit: Zwischen 30.000 und 40.000 Exemplare werden hier pro Stunde vom Wickel gerollt­ und in die aktuellen Zeitungen eingesteckt.

Auch die wöchentliche Kultur- und Veranstaltungsbeilage „Hamburg LIVE“ oder Magazine wie „Himmel & Elbe“, die „Museumswelt“ und andere Beilagen werden im Vorprodukt erstellt und dann der nächtlich gedruckten Zeitung beigelegt.

So war der Bericht unter der Überschrift „Coronavirus und Klimawandel prägen die ITB“ auf Seite 61 längst gedruckt, als am Freitagabend um 19.31 Uhr die Absage der ITB per Eilmeldung der Deutschen Presse-Agentur die Redaktion erreichte. Diese Eilmeldung enthält in der Regel nur ein bis zwei Sätze. Ein etwas ausführlicher Text folgt entweder etwas später – oder er wird in der Redaktion selbst recherchiert.

Für die aktuelle Ausgabe ist eine Meldung, die die Redaktion zu dieser Zeit erreicht, kein Problem: Die zuletzt bearbeitete Seite (also meist die Titelseite) wird am Freitag um 21 Uhr aus der Redaktion an die Druckerei geschickt. Wegen des höheren Umfangs und der größeren Auflage der Sonnabend-Ausgabe wird freitags eine Stunde früher „angedruckt“ (also der Druckprozesses gestartet). An allen anderen Tagen geschieht dies erst um 22.30 Uhr.

Meldungen bis Mitternacht aktualisiert

Die Nachrichten auf der Titelseite und dem sogenannten Hauptprodukt, also dem aktuell gedruckten Teil der Zeitung, können übrigens nach dem Start des Drucks bis etwa Mitternacht aktualisiert werden. Dann kann es auch sein, dass beispielsweise in einem Exemplar des Hamburger Abendblatts eine aktuelle Meldung steht, die in anderen Exemplaren nicht enthalten ist. Denn nach Druck und Einstecken eventueller Vorprodukte werden die Zeitungspakete sofort in Transportwagen verladen und zu den Leserinnen und Lesern transportiert.

In der Zeitungssprache nennt man diese Aktualisierung übrigens „Schub“. Ob eine Zeitungsseite aktualisiert (oder geschoben) wurde, erkennt man beim Hamburger Abendblatt daran, dass die Seite im Zeitungskopf einen kleinen Stern (oder auch mehrere Sterne) enthält. Diese kleinen Sterne sind für die Drucker das Zeichen: Diese Seite ist aktueller als die bereits in der Rotation eingehängte Seite ...