Meinung
Schumachers Woche

Die drei Fehler des FDP-Chefs

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Hajo Schumacher
Abendblatt-Kolumnist Hajo Schumacher

Abendblatt-Kolumnist Hajo Schumacher

Foto: Reto Klar

Bis zur Thüringen-Wahl fragte sich die Republik: Kann Christian Lindner Macht? Jetzt kennen wir die Antwort.

Ich habe Christian Lindner immer geschätzt, weniger für seine Politik als für seine Energie. Der FDP-Chef besetzte die Rolle des jugendlichen Aufmischers, der Widerrede anzog und genoss. In seinen guten Momenten verströmte er dieses unspezifisch frische Gefühl von Aufbruch wie einst ein Gerhard Schröder. Markenzeichen Hemdsärmel. Wie fast alle Politiker, die gut reden können, stand auch der angenehm durchtrainierte Liberale unter dem Verdacht der Hochbegabung. Das war ein Fehlurteil. Lindner hat zwei kapitale Niederlagen erlebt, die seine aktuelle und etwaige künftige Macht zerbröseln lassen. Der Mann hat seine Autorität aufs Spiel gesetzt und verloren.

Fehler eins ist bekannt und nicht verziehen: Der FDP-Chef klinkte sich aus den schwarz-gelb-grünen Koalitionsverhandlungen aus und ließ die Macht liegen. Die Angst, von der Kanzlerin verfrühstückt zu werden wie einst Westerwelle und Rösler, saß traumatisch tief.

Politik ist aber kein Geschäft für Traumatisierte, wie Horst Seehofer oder Martin Schulz wissen. Lindner konnte von Glück reden, dass er mangels Personal nicht vom Hof gejagt wurde. Ein starker Steuermann wie Wolfgang Kubicki kommt mit einem angeschlagenen Kapitän ganz gut klar. Seit zwei Jahren steht Lindner nun zu Recht unter Beobachtung der ganzen Republik, die sich fragt: Kann er Macht? Seit Mittwoch kennen wir die Antwort: Nein, kann er nicht.

FDP – die Partei der Opportunisten

Egal ob der thüringische Zufallschef Kemmerich mit Wissen des FDP-Chefs handelte, als er sich zur Wahl des Ministerpräsidenten meldete, oder auf eigene Faust – in beiden Fällen ist dem Parteianführer wieder was Großes aus dem Ruder gelaufen. Das Signal an die verbliebenen Mitglieder lautet: Hier macht jeder, was er will. Die FDP ist eben doch nicht Partei der Start-ups, sondern die der Opportunisten.

Dass ein Rücktritt gerade im politischen Jugendalter eine harte, aber faire Option sein kann, weil ein Comeback mehr als möglich ist, haben Cem Özdemir oder auch Gregor Gysi bewiesen. Pro­blem: Auch hier zaudert Lindner. Das wäre sein dritter und letzter Fehler.

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