Meinung
Kolumne "Sie haben Post"

Zwischen Hamburg und Berlin: Die Bigotterie des Joe Kaeser

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero".

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero".

Foto: Laible/Cicero

Im E-Mail-Wechsel von Abendblatt und „Cicero“ geht es heute um das Verhalten des Siemens-Chefs und um Luisa Neubauer.

Christoph Schwennicke, Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Lars Haider, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend an dieser Stelle veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, war es nun eigentlich schlau von Siemens-Chef Joe Kaeser, der Klimaaktivistin Luisa Neubauer einen Platz im Aufsichtsrat anzubieten? Oder war es eher naiv?

Schwennicke: Das ist am Ende einerlei. Er ist schon länger notorisch gefallsüchtig in dieser Hinsicht. Und ist jetzt endlich mal so richtig auf die Nase gefallen damit. Und kriegt Druck von allen Seiten. Herrlich.

Haider: Sagen wir es, wie es ist: Das war das Gegenteil von clever und klug. Wenn man so ein riesiges Unternehmen führt, darf man sich doch im Ernst nicht einbilden, eine Klimaaktivistin kaufen zu können. Denn genau das wäre es doch gewesen, Neubauer hätte von Siemens einen sechsstelligen Betrag erhalten.

Schwennicke: Ja. Und es gibt noch ein paar andere berechtigte Einwände, jedenfalls wenn man die Position eines Aufsichtsrates ernst nimmt, zumal in einem Unternehmen dieser Dimension. Die nächste Aktionärsversammlung könnte interessant werden für Kaeser. Luisa Neubauer diesen Posten anbieten und zeitgleich in Australien am Vertrag mit dem großen Kohlebergwerk festhalten. So geht Bigotterie. Und das merkt jeder halbwegs wache Aktionär.

Haider: Kommt hinzu, dass es eine 23-jährige Frau schafft, einen der mächtigsten Konzernchefs der Welt im wahrsten Sinne des Wortes alt aussehen zu lassen. Und das nächste Treffen der beiden dürfte programmiert sein: Luisa Neubauer ist zusammen mit Greta Thunberg auf dem Wirtschaftsforum in Davos, und alle werden ihnen zuhören, oder?

Schwennicke: Was soll ich dazu noch sagen, Lars? Das ist längst Stoff für eine große Komödie mit Uwe Ochsenknecht als väterlich-alterslüsterner Firmen­patriarch in der Hauptrolle.

Haider: Das hat du schön gesagt, Christoph. Wobei ich glaube, dass jemand wie Uwe Ochsenknecht sich niemals so hätte vorführen lassen …

Schwennicke: Ich meine ihn ja auch als Charakterdarsteller, den man vom Menschen Ochsenknecht trennen muss.