Meinung
Kolumne "Sie haben Post"

Alte weiße Männer? Rassistisch und sexistisch!

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero".

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero".

Foto: Laible/Cicero

Im wöchentlichen E-Mail-Wechsel zwischen Lars Haider und Christoph Schwennicke geht es um Narzissmus und Begeisterungsfähigkeit.

Christoph Schwennicke, Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Lars Haider, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend an dieser Stelle veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, haben wir schon darüber gesprochen, was du über Luisa Neubauer, das deutsche Gesicht von „Fridays for Future“, denkst? Ich bin überwältigt von ihrem politischen wie rhetorischen Talent, und das sage ich, obwohl ich in ihren Augen wahrscheinlich auch ein alter weißer Mann bin.

Schwennicke: Du bist ja grundsätzlich schnell begeisterungsfähig. Was genau hat sie so sensationell Kluges gesagt? Muss ich wohl übersehen haben.

Haider: Sie sagt nicht nur viel Kluges, sie sagt, wie es ist: Zum Beispiel, dass wir seit 30 Jahren vom menschengemachten Klimawandel wissen, unser Leben aber nicht entsprechend verändert haben.

Schwennicke: Aber sie schon, nehme ich an. Ich habe den Eindruck, dass hinter dem Gebaren vieler Neubauers eine große Portion eitler und unaufrichtiger Hedonismus und Narzissmus wohlstandsgewohnter Kinder steckt. Kann sein, dass ich ungerecht bin. Aber dafür hast du mich ja. Und wer ist eigentlich „wir“? Die Emission an Kohlendioxid geht in Europa seit Jahren zurück, in China steigt sie exponentiell.

Haider: Trotzdem hätten wir die Diskussionen, die wir jetzt führen, längst führen müssen. Kann doch nicht sein, dass eine Stadt wie Hamburg erst 2050 klimaneutral werden will. Und klar: Natürlich wird sich Luisa Neubauer über die Aufmerksamkeit freuen, die ihr widerfährt. Aber gilt das nicht für jeden, der Politik macht?

Schwennicke: Also für mich ist sie noch keine Politikerin, nur weil sie Parolen skandiert. Politiker müssen Lösungen finden und nicht wohlfeile Parolen schreien. Jedenfalls Politiker in Verantwortung. Aber klar: Da ist weltweit zu lange wenig bis nichts gemacht worden. Am meisten aber hier.

Haider: Wie empfindest du bei der ganzen Diskussion um die Klimakrise eigentlich die Fokussierung auf die „alten weißen Männer“?

Schwennicke: Das ist ja nicht aufs Klima beschränkt. Es ist halt rassistisch und sexistisch. Aber wenn’s gegen die gefühlt Richtigen geht, ist das eben erlaubt.