Meinung
Glosse

Portugal wird Europameister

Kai Schiller ist Chefreporter beim Hamburger Abendblatt.

Kai Schiller ist Chefreporter beim Hamburger Abendblatt.

Foto: Michael Rauhe / HA

Entsetzen bei der EM-Auslosung: Portugal erwischte die "Todesgruppe". Ähnlich wie 2016 – als Portugal die Europameisterschaft gewann.

Hamburg. Das Entsetzen in Portugal hätte am Sonntag nicht größer sein können. Deutschland! Frankreich!! Und dann auch noch ein Qualifikant!!! Island, Rumänien, Bulgarien, Ungarn – oder vielleicht doch irgendein anderes Team. Den Kommentatoren der EM-Auslosung gingen fast die Ausrufezeichen aus, um die Dramatik dieser „Todesgruppe“ („O Jogo“) zu unterstreichen. „A Bola“ war sich sogar sicher: „Die Auslosung brachte das schlimmste Szenario!“ Ausrufezeichen.

Was die entsetzten Portugiesen ganz vergaßen, war die Tatsache, dass in Wahrheit doch alles halb so schlimm ist. Denn: Schon 2016 konnte sich Portugal in der Todesgruppe aller Todesgruppen souverän durchsetzen. Damals hießen die Hammergegner: Ungarn (WM-Finalist 1954), Österreich (Kochweltmeister 2018) und Island (Weltmeister im Huh-Rufen 2016). Zwar gewann Portugal kein einziges Spiel, kam aber als einer der vier besten Gruppendritten weiter. Ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss.

Wenige Tore – trotzdem Europameister

Das galt auch für die K.-o.-Runde, in der die Portugiesen nach 90 Minuten auch nur ein einziges Spiel (gegen Fußball-Großmacht Wales) für sich entscheiden konnten, aber trotzdem ins Finale einzogen. Dort schoss man gegen Frankreich in den ersten 90 Minuten zwar erneut kein Tor – war am Ende des Abends aber doch irgendwie Europameister. Souverän natürlich.

Und nun? Wird Portugal bis zum Beginn der EM schimpfen, gegen Deutschland und Frankreich verlieren, als Gruppendritter trotzdem ins Achtelfinale einziehen, dort genauso wenig ein Tor schießen wie im Viertel- und Halbfinale sowie im Endspiel – und doch Europameister. Souverän natürlich. Denn: Sachen gibt’s, die gibt’s nur im Fußball.