Nachspiel

Herr Hecking, den HSV gibt’s nur all inclusive

Der Feind des HSV ist nicht Schwarz-Weiß, es wäre Gleichgültigkeit. Ein Kommentar von Abendblatt-Sportchef Alexander Laux.

Natürlich ist es nachvollziehbar, dass Dieter Hecking all das, was vor seinem Amtsantritt im Sommer passiert ist, am liebsten in der hintersten Ecke des Clubarchivs verstauen und dieses dann mit einem dicken Vorhängeschloss versehen würde. Ein Neuanfang ganz ohne den negativen Ballast aus der Vergangenheit – ein Traum für jeden Fußballtrainer.

Aber eben nur ein Traum. Und das ist auch gut so. Mal abgesehen davon, dass die jahrelange Misswirtschaft, die Führungsquerelen und ständigen Personalwechsel jedem als Mahnung dienen sollten, der heute beim HSV Verantwortung trägt, so gibt es genügend positive Dinge mit Erinnerungswert.

Der HSV und ein ungelöstes Rätsel

Das fängt beim immer noch sensationellen Zuschauerzuspruch an. Wer trotz der Minusleistungen in Serie im Volkspark, die schließlich in den Abstieg mündeten, trotzdem brav seine Dauerkarte verlängert, dokumentiert damit nicht nur seine Liebe zum Club, sondern beweist damit genauso, dass er bereit ist, seine Erwartungshaltung ähnlich weit nach unten zu korrigieren, wie es Medienvertreter längst getan haben. Warum es dem HSV so häufig nicht gelungen ist, diesen energiegeladenen Vertrauensvorschuss in Leistung umzuwandeln, gehört zu den ungelösten Rätseln.

Der Feind des HSV ist nicht Schwarz-Weiß, es wäre Gleichgültigkeit. Kein anderes Thema in der Stadt ist so emotional besetzt wie der HSV. Gibt es mal Ausschläge in die eine oder andere Richtung, kann das der Club aushalten. Im Gegenteil, es ist ein Trumpf, den sich viele Konkurrenten wünschen würden. Und das noch: Wenn sich Medien in Hamburg etwas vorwerfen müssen, dann eher, nicht früh genug auf Fehlentwicklungen hingewiesen zu haben.