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Kommentar

Sonderregeln für die Bahn nach Sylt!

Matthias Popien ist Redakteur in der Lokalredation des Hamburger Abendblattes.

Matthias Popien ist Redakteur in der Lokalredation des Hamburger Abendblattes.

Foto: Birgit Schücking

Der Hindenburgdamm ist keine x-beliebige Bahnlinie. Die Vergabe-Methodik für die Sylt-Strecke sollte bis 2025 geändert werden.

Die in Spitzenzeiten bis zu 6000 Pendler, die täglich mit der Bahn nach Sylt kommen, müssen enorm langmütig sein. Seit Jahren beginnt jeder Tag mit der Frage: Bin ich rechtzeitig am Arbeitsplatz? Bin ich pünktlich wieder zu Hause? Das sind Arbeitsbedingungen, die unzumutbar sind.

Kurzfristig wird sich daran nur wenig ändern lassen. Schleswig-Holstein muss weiter Druck machen, die Strafzahlungen müssen fortgesetzt werden. Dass Verkehrsminister Buchholz sie zuletzt nicht mehr verhängt hatte, hat die DB offenbar als Entspannungssignal missverstanden. Anders lässt sich das Vorhaben der Bahn nicht deuten, die Ersatzloks von der Insel abzuziehen. Sollte dies tatsächlich geschehen, dürften die Pünktlichkeitswerte weiter in den Keller gehen.

Sonderklausel für Sylt

Langfristig bleibt das wichtigste Ziel, die Vergaberegeln für die Strecke nach Sylt zu ändern. Die Verkehrsverträge mit der Bahn enden 2025. In das sehr bürokratische Vergabeverfahren, für das das Eisenbahnbundesamt zuständig ist, gehört eine Sonderklausel für Sylt hinein – und die Politik muss sie hineinverhandeln.

Die Lebensader der Insel kann nicht nach wirtschaftlichen und wettbewerbsrechtlichen Gesichtspunkten verschachert werden. Der Hindenburgdamm ist keine x-beliebige Bahnlinie, bei der man im Fall einer Störung aufs Auto, auf den Bus oder aufs Rad umsteigen kann. Auf die Insel kommen alle, wenn sie nicht Fähre oder Flugzeug nehmen, nur mit der Bahn.

Fünf Jahre sind es bis zum nächsten fahrplanmäßigen Anbieterwechsel. Fünf Jahre, um im Fall Sylt nicht den günstigsten oder den größten Anbieter zum Zug kommen zu lassen – sondern den solidesten, den robustesten, den willigsten. Gehört die Deutsche Bahn zu diesen Anbietern? Bisher ist sie den Beweis schuldig geblieben.