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Von der Neuen Heimat lernen?

Matthias Iken ist stellvertretender Chefredakteur des Hamburger Abendblattes.

Matthias Iken ist stellvertretender Chefredakteur des Hamburger Abendblattes.

Foto: Andreas Laible

Europas größter Wohnungskonzern ist durch eine neue Ausstellung wieder aktuell – aber kein Vorbild

Hamburg. Die Neue Heimat, Europas größter Wohnungsbaukonzern, fasziniert wieder die Menschen: Die spektakuläre Ausstellung, die von heute an im Museum für Hamburgische Geschichte zu sehen ist, wurde in München zum Publikumsmagneten – plötzlich wird über die Neue Heimat wieder geredet, geschrieben, gesendet. Der gewerkschaftseigene Konzern, der mehr als 400.000 Wohnungen gebaut hat, bekommt in Zeiten des Wohnungsmangels eine neue Chance und eine neue Bewertung.

Dieser zweite Blick 33 Jahre nach der Abwicklung ist verdient: Die Verdienste der Neuen Heimat um die Linderung der katastrophalen Wohnungsnot im Nachkriegsdeutschland sind beachtlich. Zu oft werden diese Erfolge vom skandalträchtigen Untergang des Konzerns mit Sitz in Hamburg verstellt.

Allerdings taugen die alten Rezepte der Neuen Heimat nur sehr bedingt für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Auch wenn manche Wohnungsbaupolitiker von 700.000 fertiggestellten Einheiten im Jahr – übrigens mehr als doppelt so viel wie heute – schwärmen mögen: Sie taugen nicht als Vorbild. Die Betonburgen, Schlafstädte und Trabantensiedlungen der Neuen Heimat stehen bis heute für städtebauliche Fehlentwicklungen. Sie waren zu groß, zu gesichtslos, zu gigantomanisch – und schnell fehlbelegt. Das Geld, das die Neue Heimat beim Bau gespart hat, musste bald in die soziale Aufwertung der Quartiere fließen. Auch die schiere Zahl der Wohnungen und die günstigen Mieten kamen nicht von ungefähr – sie waren das Ergebnis des überdimensionierten Geschosswohnungsbaus.

Und doch ist die ursprüngliche Idee der Neuen Heimat, gemeinnützig Wohnungen zu bauen und zu verwalten, bis heute aktuell: Hamburg kann sich glücklich schätzen, dieses Erbe der Saga gegeben und nicht verschachert zu haben.