Meinung
Abendblatt-Autoren

Wer ist eigentlich... Heinrich Oehmsen?

Heinrich Oehmsen

Heinrich Oehmsen

Foto: Privat

Immer montags: Der Fragebogen an die Abendblatt-Autoren, deren Namen man oft in der Zeitung liest. Heute: Heinrich Oehmsen.

Hamburg. Ich bin Journalist geworden, weil: ... ich schon immer über Kultur, vor allem über Musik, schreiben wollte.

Ich wollte immer zum Hamburger Abendblatt, weil: ... ich das Gefühl hatte, dass dort jemand gebraucht wird, der was von Rock ’n’ Roll versteht.

Drei Dinge, die ich an Hamburg und dem Norden am meisten schätze: Wind und Wetter; die vielen Parks und die Schönheit der Stadt; die Lakonie der Menschen an der Küste.

Drei Dinge, die in Hamburg besser werden müssen: Der öffentliche Nahverkehr. Autofreie Zonen in der Innenstadt. Verzicht auf Veranstaltungen wie Harley Days und Cruise Days, weil sie nicht mehr zeitgemäß sind.

An diese Geschichte von mir denke ich gern zurück: 1995 hatte ich die Gelegenheit, in New York die Mitglieder des Hip-Hop-Kollektivs Wu-Tang Clan zu interviewen. Dazu gehörten ein paar bizarre Begegnungen, unter anderem nachts in einer finsteren Ecke von Brooklyn, im voll gekifften Studio Hit Factory in Manhattan und bei der Suche nach zwei Clan-Mitgliedern irgendwo auf Staten Island.

Diese Geschichte hätte ich lieber nicht geschrieben: Den Verriss von Antú Romero Nunes’ Inszenierung der „Odyssee“ im Thalia Gaußstraße. Nachdem ich das Stück zum zweiten Mal gesehen hatte, wusste ich, dass ich mit meiner ersten Beurteilung komplett falsch lag.

Das spannendste Ereignis, bei dem ich als Journalist dabei sein durfte: Das erste Hurricane Festival 1997 in Scheeßel. Damals war zu spüren, dass dort eine große Festival-Ära beginnt.

Demnächst würde ich gerne mal ein Interview führen mit: … der Hollywood-Regisseurin Kathryn Bigelow, die mit „The Hurt Locker“ „Zero Dark Thirty“ und „Detroit“ einige der stärksten Filme der jüngeren Vergangenheit gedreht hat.

Der interessanteste Interviewpartner, den ich bisher hatte: Es gab sehr viele: Götz George, den ich zweimal zu sehr intensiven Gesprächen getroffen habe; Pete Townshend, Gitarrist von The Who, den ich kurz nach dem Selbstmord von Kurt Cobain interviewt habe oder Michael Douglas, der bei einem Roundtable-Interview jeden Kollegen mit Handschlag und „Hi, I’m Michael“ begrüßte. Und natürlich Nick Cave, der zu meinen Rock-Helden gehört. Neben dem Abendblatt lese ich folgende Zeitungen/Zeitschriften: „Süddeutsche Zeitung“, „Die Zeit“; Online den „Kölner Stadt-Anzeiger“ (hat was mit Fußball zu tun) und sehr viele nationale und internationale Fachmagazine aus Rock, Jazz, Film wie „Uncut“, „Mojo“, „Jazzthetik“, „Rolling Stone“, epd Film, „Sight & Sound“, „downbeat“ und auch „Theater heute“. Wenn das Hamburger Abendblatt ein Mensch wäre, dann wäre es: … wertkonservativ, sozial engagiert, aber manchmal ein bisschen zu risikoscheu.

Mein Lieblingsrestaurant: Ich gehe gern ins Nil am Pferdemarkt und ins Cox in der Langen Reihe und für den schnellen Hunger ins Soho Chicken an der Hoheluftchaussee.

Meine größte Leidenschaft ist: Musik/ Theater/Kino/Fußball/Basketball. Am Wochenende habe ich oft das (Luxus-)Problem, Spiele der Towers, Theaterpremieren und Konzertbesuche terminlich zu koordinieren. Ins Kino kann ich wenigstens schon mittags oder spätabends gehen.

Derzeit lese ich: „Everland“ von Rebecca Hunt, eine spannende Geschichte über zwei Antarktis-Expeditionen; Angie Thomas’ „The Hate U Give“, einen aktuellen Sozial-Thriller über das Leben einer afroamerikanischen Familie; T.C. Boyles „Das Licht“ über den LSD-Guru Timothy Leary.

Meine Lieblingsplätze in Hamburg: Die Inselparkhalle in Wilhelmsburg, der Mojo Club, das Thalia Theater.

Vita: Heinrich Oehmsen wurde 1954 in Dorum bei Cuxhaven geboren, hat in Kiel Germanistik, Literaturwissenschaft und Sportwissenschaft studiert. Er ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Töchter. Nach dem Volontariat bei der „Bergedorfer Zeitung“ arbeitete er als Sport- und Magazinredakteur bei den „Norddeutschen Nachrichten“. 1993 kam er als Szene-Redakteur zum Abendblatt und war mitverantwortlich für den Aufbau von Hamburg LIVE. Seit 2010 schreibt Oehmsen als freier Autor für das Abendblatt. Er ist Mitinitiator des Reeperbahn Festivals gewesen.