Meinung
Zwischenruf

"Waaaas?" So geht Compliance im Bus

Der Autor ist stellvertretender Leiter des Onlineressorts beim Hamburger Abendblatt

Der Autor ist stellvertretender Leiter des Onlineressorts beim Hamburger Abendblatt

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Sie leitet die Abteilung für richtiges Verhalten in einer Bank, aber nervt alle: Gegen diese Plaudertasche hilft nur – Enttarnung!

Wussten Sie eigentlich, wie es Christian geht? Er ist ja so anfällig, hüstelt vor sich hin. Aber seine Frau, robust, immer eine Mütze auf bei dieser klirrenden Kälte und so auskunftsfreudig. Es ist eine Wonne, ihr beim diskreten Telefonat am Morgen im Bus zuzuhören. Psssst! Bloß nicht verraten, welcher Bus es ist. Man könnte sie bis ins Private zurückverfolgen.

Sie leitet ja immerhin demnächst die Abteilung Compliance der, uuuuups, jetzt hätten wir fast die Bank verraten. Compliance – das klingt ja nach Verschwiegenheit und Verhalten nach Regeln. Nach Recht, Ordnung und Anstand, wie Helmut Schmidt gesagt hätte. Fuhr der eigentlich gelegentlich mal Bus? Musste der brüllen, weil sein Telefon-Gesprächspartner sich gerade noch im Bad ondulierte? „Helmut hier. Valery, du klingst, als säßest du auf dem Klo! Was denn? Du knackst Erdnüsse von Jimmy?“

Schnell mal googlen diese Plaudertasche im Bus...

Bei unserer Mitfahrerin im Bus klingt das so: „Waaaas? Du fööööööhnst dich gerade?“ Gut zu wissen, dass manche Hamburger den Tag im Kontor erst nach Mittag beginnen müssen. Unsere Telefonistin ist früher dran. Hat ja auch gerade erst die neue Wohnung gekauft. In der Kottwitzstraße. Den Feldmarschall-Ton des Generalsviertels hat sie schon voll drauf. „106 Quadratmeter. Aber alle sagen, es sieht aus wie 120.“ Dezibel? „Quadraaatmeeeter!“

Schnell mal googlen, die Frau, dann facebooken, bei Xing nachschauen – Bingo! Wer sich so offensiv anbietet, ist ein Geschenk für jeden Headhunter. Okay, an den Fingernägeln muss sie noch arbeiten. Aber wenn der Job von Aale-Dieter neu besetzt werden muss, ist diese Frau die Top-Kandidatin.