Meinung
Zwischenruf

Ja, ja, nein, nein: Was denn jetzt?

Der Autor ist stellvertretender Leiter des Onlineressorts beim Hamburger Abendblatt

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Foto: Marcelo Hernandez / HA

Darf man eine Ablehnung direkt sagen, ohne sein Gegenüber zu kränken? Was das mit Lothar Matthäus und Uli Hoeneß zu tun hat.

In der Bibel heißt es: Eure Sprache sei Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel. Steht im Evangelium nach Matthäus. Nein, das ist nicht der Matthäus, der mal bei Inter Mailand gespielt hat und niemals, niemals, niemals nicht mal als Greenkeeper beim FC Bayern München je arbeiten wird, solange dieser andere mit allen Wassern Getaufte, dieser Hoeneß, das Sagen hat. Der Ja-ja-nein-nein-Matthäus lebte nicht in drölfzigster Ehe mit einer ganz sicher schon Volljährigen, deren Mädchenname so ähnlich wie Klitschko war. Doch das ist ein Evangelium für sich.

Ja, ja; nein, nein – das fällt uns heute immer schwerer. Es sagt sich eigentlich leicht und meint sich doch so schwer. Liebst du mich? War es auch für dich schön? Hast du den Müll weggebracht?

Ja, ja, das sind Fragen, die schnelle Antworten erfordern. Nein, nein, diese Ehrlichkeit können wir den bohrenden Fragern nicht immer zumuten. Was also sagen, um direkte Antworten zu vermeiden? Im ostasiatischen Kulturkreis heißt es: Ich werde darüber nachdenken. Problem verschoben! Zeit gewonnen! Gesicht gewahrt! Gerne genommen auch: Darf ich hier kurz kostenlos parken? Da muss ich den Chef fragen. „Fahr weiter“ oder „Schleich dich“, wie man in Bayern sagt, käme keinem Japaner über die Lippen.

Von Bibel-Matthäus zu Lothar Matthäus ist es nur ein kleiner Schritt. Wie sagte der Fußballer mal über einen Konkurrenten: „Ein Wort gab das andere, wir hatten uns nichts zu sagen.“ Amen.