Meinung
Glosse

Weihnachten ist das neue Rauchen

Glaubt man einer neuen Krankenkassen-Umfrage, ist das Fest ungefähr so gefährlich wie eine jahrzehntelange Karriere als Kettenraucher.

Es muss perfekt werden. Und wehe, wenn nicht! Mit dieser Erwartung ging man früher nur in die wirklich hohen Feste. Also Silvester, Kindergeburtstag, Sperrmüll. Inzwischen darf auch Weihnachten dazu gezählt werden. Denn die besinnliche Zeit bietet mittlerweile genügend Anlass, besinnungslos zu werden. Viel zu hohe Ideale zerschellen an der Realität. Nicht grundlos haben viele: Angst, extreme Weihnachtsangst.

Diesen Eindruck vermittelt jedenfalls eine aktuelle, selbstverständlich repräsentative Umfrage der Kaufmännischen Krankenkasse. Demnach zerbrechen Menschen immer öfter am Druck, dem perfekten Weihnachtsfest nicht genügen zu können. Sie überfordert schon der Andrang in den Innenstädten (47 Prozent), die ständige Versuchung durch Kekse (26) und der Stress beim Geschenkekauf (26). Mürbe machen auch pseudolustige Weihnachtsvideos bei WhatsApp (23) oder der leibhaftige Familienbesuch (20).

Weihnachten? Am besten absagen und bis Ostern vorspulen

Und ist Heiligabend schließlich gekommen, ängstigen sich 44 Prozent vor akuter Krankheit eines Familienmitglieds, 18 Prozent fürchten Streit. Mögliche Folgen: Bluthochdruck, Herzinfarkt, Geschwüre, Tinnitus, Schlafstörungen. Im Grunde liest sich die Umfrage, als sei Weihnachten das neue Rauchen. Am besten absagen und bis Ostern vorspulen. Zu viel Stress. Gibt nur Ärger. Besser lassen.

Aber wie kommt man da raus? Die Experten der Kasse raten zu Spaziergängen, Sport und Internetdiät. Außerdem: Erwartungen runter, Perfektionismus raus, Konsumverzicht! Das geschenklose Fest sollten Sie Ihren Kindern dann in aller Ruhe bei einem Waldspaziergang mit „gesundheitlichen Gründen“ erklären. Perfektes Weihnachten? Können Sie sich bei der Gelegenheit ja schnitzen!